Freunde finden in Schweden: Was ich nach 24 Jahren dazu sagen kann

In Schweden habe ich vieles gefunden, was ich liebe: Stille, Wald und Platz. Freunde zu finden war für mich schwieriger. Hier erzähle ich, was ich ausprobiert habe, was geholfen hat und was nicht. Das ist keine Anleitung, die bei jedem klappt, sondern meine Erfahrung nach 24 Jahren.

Warum fällt es so schwer, in Schweden Freunde zu finden?

Mir fehlten nach dem Umzug vor allem Sicherheit, spontane Treffen und vertraute Gespräche. Meine Frau war natürlich da. Aber ich vermisste auch andere Menschen, mit denen ich ohne große Planung Zeit verbringen konnte.

In Deutschland hatte ich über Vereine und auf Partys Freundschaften geschlossen. Hier hatte ich für einen Verein zunächst gar nicht den Kopf frei. Dazu kam unser Leben auf dem Land. Die Restaurants und Gelegenheiten zum Ausgehen, die ich gewohnt war, gab es in unserem Umfeld kaum.

Bei neuen Bekanntschaften hatte ich oft das Gefühl, dass alle Plätze schon vergeben waren. Nach der Arbeit warteten Kinder, am Wochenende standen Familienbesuche an. So erlebte ich es in meinem Umfeld. Zwischen dem Kontakt bei der Arbeit und dem Privatleben spürte ich eine Mauer.

Heute verstehe ich diese knappe Zeit besser. Als unsere Kinder kamen, blieb auch mir kaum Raum, mich noch in einem Verein zu engagieren. Vielleicht hätte ich vorher mehr versuchen können. Trotzdem erklärt sich für mich vieles inzwischen durch einen vollen Alltag.

Dass ich hier nur wenige enge Kontakte habe, macht mich manchmal traurig. Einen Arbeitskollegen würde ich vielleicht als Freund bezeichnen: Er hilft mir und hört zu. Auch meine Onlinefreundschaften bedeuten mir viel. Manche dieser Menschen treffe ich in Deutschland.

Mehr über diesen langen Weg erzähle ich in Freundschaften in Schweden: Warum Ankommen Zeit braucht.

Wo lerne ich Menschen kennen?

Ich habe in Schweden unter anderem Kurse zum Filzen und zur Imkerei besucht. Dort gab es etwas, worüber ich mit den anderen sprechen konnte: das, was wir gerade machten. Ich konnte mich mit der Kursleitung austauschen oder mit den Menschen neben mir. Gerade die Imkerei fand ich dafür spannend.

Aus solchen Begegnungen kann sich mehr ergeben. Bei mir blieb es allerdings auch oft bei einem kurzen Gespräch, wenn ich jemanden wiedersah. Tiefgehende Gespräche entstanden dadurch noch nicht. Es stellt sich für mich deshalb auch die Frage, wie viel ich selbst von mir einbringen möchte und wie sehr ich mich um den Kontakt bemühe.

Wenn ich heute noch einmal gezielt Anschluss suchen würde, wären Imkerei und Hydroponik meine Themen. Bei der Hydroponik wachsen Pflanzen ohne Erde in Wasser mit Nährstoffen. Beides interessiert mich. Ich hätte Fragen und würde gerne hören, womit sich die anderen beschäftigen. So würde ich einen Kurs oder eine Gruppe auswählen.

Bei einem ersten Besuch würde es mir helfen, mich zunächst etwas zurückzuhalten und zu beobachten. Ich muss nicht sofort viel erzählen. Erst einmal mitmachen und dann ein Gespräch anfangen, das würde zu mir passen.

Gemeinsam wandern war bisher keiner meiner Wege, Menschen kennenzulernen. Als weitere Möglichkeit greife ich es in dieser Geschichte auf: Kontakte in Schweden knüpfen: Gemeinsam wandern.

Wie mache ich den ersten Schritt?

Wenn ich jemanden sympathisch finde, fällt es mir leicht, auf ihn zuzugehen. In einem Kurs frage ich zum Beispiel, wie die Person auf den Kurs gekommen ist oder woher sie kommt. Damit habe ich einen Anfang. Ich muss mir dafür nichts Besonderes überlegen, sondern kann bei dem bleiben, was mich gerade interessiert.

In meinem Imkerverein, den ich erst viel später besuchte, sind daraus auch private Treffen entstanden. Nicht besonders häufig, aber ich hätte diese Kontakte vertiefen können. Ich hatte durchaus den Eindruck, dass die anderen dafür offen gewesen wären. Dass es dabei blieb, lag auch an mir: Mit den Kindern fehlte mir schlicht die Zeit. Diese Erfahrung gehört für mich dazu, wenn ich darüber nachdenke, warum manche Bekanntschaften nicht enger werden.

Jemanden zu mir einzuladen finde ich einfacher, als eine gemeinsame Unternehmung vorzuschlagen. Bei einer Unternehmung müsste ich erst überlegen, was wir beide gerne machen würden. Wie es war, als ich selbst zum Kaffee eingeladen habe, erzähle ich in Freundschaften in Schweden: Als ich zum Kaffee einlud.

Unsicher werde ich eher dann, wenn ich nicht einschätzen kann, welche Erwartungen mein Gegenüber hat. Wer sich beim ersten Schritt schwertut, dem würde ich deshalb raten, die eigene Unsicherheit ruhig auszusprechen. Ich muss nicht so tun, als wäre das Kennenlernen für mich ganz selbstverständlich. Auch damit kann ein Gespräch anfangen.

Was, wenn Einladungen nicht erwidert werden?

Nach einem schönen Treffen kam manchmal nichts mehr von meinen Gästen. Dann suchte ich den Fehler oft bei mir. Heute glaube ich, dass häufig schlicht die Zeit fehlte. Den tatsächlichen Grund kannte ich allerdings nicht. Ich hatte nicht nachgefragt.

Damals hätte sich eine direkte Frage nach einer Gegeneinladung für mich in meinem Umfeld unpassend angefühlt. Also ließ ich den Kontakt irgendwann ruhen. Ich konnte schließlich keine Freundschaft erzwingen. Wenn wir uns später begegneten, blieb ich herzlich. Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit gehabt. Die war für mich weiterhin etwas wert, auch wenn daraus nicht die erhoffte Nähe entstand.

Heute würde ich zuerst bei mir selbst nachfragen: Warum lade ich diesen Menschen immer wieder ein? Genieße ich unsere Treffen so, wie sie sind? Oder wünsche ich mir eine Freundschaft und hoffe jedes Mal auf ein Zeichen dafür?

Wenn mir diese Klarheit fehlt, würde ich inzwischen auch eine direkte Frage in Betracht ziehen. Ich könnte sagen, dass ich mir einen engeren Kontakt wünsche, und fragen, ob die andere Person das ebenfalls möchte. Das braucht Mut und könnte mein Gegenüber überraschen. Aber für mich wäre eine ehrliche Antwort hilfreicher, als weiter zu rätseln und mir Hoffnungen zu machen.

Von meinen Einladungen und den Erwartungen daran erzähle ich in Freundschaften in Schweden: Als ich zum Kaffee einlud.

Wie viel Zeit braucht es, bis ein Kontakt enger wird?

Bei mir habe ich erst nach längerer Zeit gemerkt, dass sich manche Kontakte veränderten. Auf der Arbeit entstanden andere Gespräche. Wir sprachen plötzlich über tiefere Themen. Daran merkte ich, dass wir uns näherkamen. Von Freundschaft würde ich deshalb trotzdem noch nicht unbedingt sprechen.

Am Anfang hatte ich erwartet, schnell eine Freundin zu finden. Wenn ich ehrlich zurückblicke, hatte ich allerdings auch vor dem Umzug nie viele enge Freunde. Das gehört zu mir und lässt sich nicht allein mit meinem Leben in Schweden erklären.

Bei manchen Menschen merke ich, dass unser Kontakt eine Grenze hat. Über bestimmte Dinge können wir gut sprechen, über andere nicht. Gerade die Offenheit und Tiefe, die ich mir wünsche, finde ich selten. Das würde ich an keinem Land festmachen.

Wenn jemand schon länger hier lebt und keinen engen Freund hat, würde ich deshalb zunächst fragen: Wie war das vorher? Vermisse ich etwas, das ich früher hatte? Oder kenne ich diese Situation schon aus meinem Herkunftsland?

Und dann wäre für mich die Frage, ob ich daran etwas ändern möchte. Wenige enge Kontakte zu haben, ist für mich nicht automatisch ein Problem. Entscheidend ist, ob ich mich damit wohlfühle oder mir mehr Nähe wünsche. Erst dann würde ich genauer hinschauen, was mir fehlt und was mich bisher davon abhält, es zu suchen.

Was hilft, wenn mir die Sprache fehlt?

Am Anfang war für mich das Schwerste, überhaupt in ein Gespräch hineinzukommen. Ich wollte etwas beitragen, aber mir fehlten die Worte.

Wenn mir ein Wort fehlt, umschreibe ich das, was ich meine. Ich versuche, es mit den Wörtern zu erklären, die ich schon kenne. So kann ich im Gespräch bleiben, auch wenn ich nicht genau das passende Wort finde. Es ist dann vielleicht umständlicher, aber ich kann trotzdem etwas von mir erzählen oder eine Frage stellen.

In meinem Umfeld habe ich die Menschen meistens als hilfsbereit erlebt, wenn sie merkten, dass ich mich bemühte. Von Nähe würde ich dabei allerdings noch nicht sprechen. Es entstand Kontakt. Für mich ist das ein Unterschied: Mich mit jemandem verständigen zu können bedeutet noch nicht, dass ich mich diesem Menschen persönlich verbunden fühle.

Wer aus Angst vor Fehlern lieber zu Hause bleibt, dem würde ich trotzdem zum Losgehen raten. Ich würde Gelegenheiten suchen, Menschen zu treffen und mit ihnen zu sprechen. Sprachfehler gehören für mich zum Einwandern dazu. Ich darf etwas falsch sagen und es dann noch einmal anders versuchen.

Mehr darüber erzähle ich in Leben in Schweden: Wenn ich jedes Wort verstehe und trotzdem nachfrage und in Freundschaften in Schweden: Wenn mir die Worte fehlen.

Wie halte ich Kontakt, wenn man sich lange nicht hört?

Für mich ist Kontakt nicht gleich Freundschaft. Es gibt Menschen, die ich lange nicht sehe und denen ich trotzdem auf einer gewissen Ebene vertraut begegne. Meistens verabreden wir uns dafür gar nicht. Wir treffen uns einfach wieder und sprechen miteinander. Für wirklich tiefe Gespräche würde ich diese Kontakte allerdings nicht suchen.

Früher habe ich Schweigen eindeutig als fehlendes Interesse empfunden. Heute merke ich, wie oft ich selbst nichts von mir hören lasse. Ich kann nicht erwarten, dass immer jemand auf mich zukommt, wenn ich es selbst nicht tue.

Damit Menschen in meinem vollen Alltag nicht ganz aus dem Blick geraten, hilft mir tatsächlich mein Kalender. Das klingt vielleicht etwas nüchtern. Aber ohne eine Erinnerung würde manches bei mir untergehen.

Ein Eintrag bedeutet allerdings noch nicht, dass ich mich dann auch melde. Ich schaue nach und frage mich: Möchte ich das gerade? Zieht es mich zu diesem Menschen? Ich gehe dabei sehr nach meinem Gefühl, nach Resonanz. Wenn ich Kontakt möchte, werde ich aktiv. Wenn nicht, verschiebe ich die Erinnerung auch wieder.

So versuche ich, Menschen im Blick zu behalten und zugleich ehrlich mit mir zu sein. Nicht jede längere Pause muss ich beenden. Aber wenn mir jemand fehlt, kann ich selbst den Anfang machen.

Mehr darüber erzähle ich in Freundschaften in Schweden: Wenn wir uns lange nicht hören.

Wenn du dich fragst, warum man sich trotz gemeinsamer Kaffeepause ausgeschlossen fühlen kann, lies Warum man sich in Schweden trotz Fika ausgeschlossen fühlen kann. Wenn du nach einer weiteren Möglichkeit suchst, Menschen kennenzulernen, findest du sie in Kontakte in Schweden knüpfen: Gemeinsam wandern. Und mehr zu meinem Weg als Auswanderin steht in meinem Ratgeber Auswandern nach Schweden: meine Erfahrungen.