Mein Schwedenleben
Freundschaften in Schweden: Wenn wir uns lange nicht hören
Wir haben Kaffee getrunken, gelacht und uns gut verstanden. Danach wird es still. Wie lange warte ich, bevor ich wieder schreibe – und warum beschäftigt mich das überhaupt so sehr?
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Manchmal ist es nicht das Treffen, das mich beschäftigt. Es sind die Tage danach.
Wir haben zusammengesessen. Kaffee getrunken. Über irgendetwas gelacht, das beim Erzählen viel lustiger war, als es später aufgeschrieben klingt. Beim Abschied hatte ich dieses schöne Gefühl: Das war gut. Das würde ich gern wiederholen.
Und dann höre ich erst einmal nichts.
Ein paar Tage gehen vorbei. Eine Woche. Der Alltag läuft weiter. Ich arbeite, kaufe ein, denke an tausend Dinge. Aber zwischendurch taucht dieser kleine Gedanke wieder auf: Ob sie das Treffen eigentlich genauso schön fand wie ich?
Nach einem schönen Nachmittag wird es still
Ich stelle mir so einen Moment vor: Ich sitze bei uns in der Küche, draußen liegt der Herbst über den Feldern rund um Grästorp. Mein Kaffee steht neben dem Handy. Ich könnte eine Nachricht schreiben. Nur einen kurzen Satz. Fragen, wie es geht.
Eigentlich ganz einfach.
Trotzdem schaue ich erst einmal nach, wer sich zuletzt gemeldet hat.
Ich.
Und davor?
Auch ich.
Plötzlich wird aus einem kleinen Gruß eine viel größere Frage. Bin ich gerade dabei, eine Freundschaft wachsen zu lassen? Oder halte ich etwas am Leben, das ohne mich längst eingeschlafen wäre?
Das Handy kann mir darauf keine Antwort geben. Es zeigt mir Nachrichten und Daten. Was der andere Mensch fühlt, steht dort nicht.
Freundschaften in Schweden und meine eigenen Erwartungen
Wenn ich über Freundschaften in Schweden nachdenke, merke ich immer wieder, wie viel ich selbst mitbringe.
Meine Vorstellungen davon, wie oft man voneinander hört. Meine Vorstellung davon, dass jemand nachfragt, wenn ich länger still bin. Vielleicht auch den Wunsch, nicht immer selbst daran erinnern zu müssen, dass es mich gibt.
Ich glaube, gerade nach einem Umzug in ein anderes Land bekommen solche Dinge ein besonderes Gewicht. Ein netter Nachmittag kann dann viel mehr sein als ein netter Nachmittag. Er kann sich anfühlen wie ein kleiner Anfang. Wie eine Tür, die ein Stück aufgeht. Da möchte ich natürlich wissen, ob sie offen bleibt.
Aber wie soll der andere das wissen? Für ihn war es vielleicht ein schöner Nachmittag mitten in einem längst gefüllten Leben. Für mich hing daran zusätzlich die Hoffnung, hier vertrauter zu werden. Dasselbe Treffen. Unterschiedliche Erwartungen.
Wie viel Kontakt brauche ich eigentlich?
Ich wünsche mir keine tägliche Meldung. Ich möchte auch keine Freundschaft führen, in der jemand das Gefühl hat, sich regelmäßig bei mir abmelden zu müssen.
Man hat Arbeit. Familie. Termine. Manchmal möchte man abends einfach nur sitzen und nichts mehr erzählen.
Das kenne ich selbst gut genug.
Und trotzdem tut es mir gut, wenn jemand von sich aus an mich denkt. Eine kleine Nachricht reicht manchmal. Ein Foto. Eine Frage, die sich auf etwas bezieht, das ich beim letzten Mal erzählt habe.
Dann weiß ich: Unser Gespräch ist beim anderen nicht einfach verschwunden, als die Kaffeetassen abgeräumt waren. Vielleicht brauche ich gar nicht besonders viel Kontakt. Vielleicht brauche ich vor allem das Gefühl, dass er von beiden Seiten gewollt ist.
Das ist für mich ein Unterschied.
Nicht jede Pause bedeutet dasselbe
Es gibt Begegnungen, bei denen man nach langer Zeit wieder zusammensitzt und sofort ins Gespräch findet. Die Pause war lang, aber sie steht nicht zwischen einem.
Und dann gibt es Kontakte, bei denen schon eine kurze Stille unangenehm wird. Weil ich nicht weiß, woran ich bin. Weil auf Fragen kaum etwas zurückkommt. Weil ich nach jedem Treffen wieder ganz von vorn überlegen muss, ob ich überhaupt noch einmal schreiben darf. Die Zahl der Nachrichten allein sagt mir deshalb wenig.
Viel mehr sagt mir, wie ich mich fühle, wenn wir tatsächlich miteinander sprechen. Ist da Interesse? Werden meine Fragen erwidert? Erfahre ich etwas vom anderen, oder halte ich das ganze Gespräch allein in Bewegung?
Ich möchte aus Zurückhaltung keine Ablehnung machen. Aber ich möchte mir auch nicht jede Enttäuschung mit einem kulturellen Unterschied erklären. Nur weil ich in Schweden lebe, muss sich nicht jeder Kontakt für mich richtig anfühlen.
Ich möchte keine Strichliste führen
Natürlich könnte ich beschließen, mich jetzt einfach nicht mehr zu melden. Abwarten. Nachsehen, wie lange es dauert.
Ich verstehe diesen Impuls. Manchmal ist man müde davon, immer den Anfang zu machen. Aber ich merke auch, wie schnell daraus eine stille Prüfung werden kann, von der der andere gar nichts weiß. Ich sitze mit meiner Erwartung da. Der andere lebt seinen Alltag. Und irgendwann bin ich enttäuscht über etwas, das wir nie besprochen haben.
So möchte ich eigentlich keine Freundschaft führen.
Gleichzeitig möchte ich mich nicht dauernd selbst überreden. Nicht noch eine Nachricht schreiben, wenn ich längst spüre, dass ich nur auf eine Antwort hoffe, die dieses Mal endlich anders ausfällt.
Zwischen diesen beiden Gefühlen liegt für mich die schwierigste Stelle: offen bleiben, ohne mich dabei selbst zu übergehen.
Eine Nachricht darf wieder eine Nachricht sein
Vielleicht liegt das Handy noch immer neben dem Kaffee. Ich könnte jetzt schreiben. Weil ich an diesen Menschen denke. Weil ich wirklich wissen möchte, wie es ihm geht.
Das wäre ein guter Grund.
Nicht, weil ich mit einer Nachricht herausfinden muss, ob ich in Schweden angekommen bin. Nicht, weil an dieser einen Antwort mein ganzer Platz hier hängt.
Es ist ein Mensch. Ein Kontakt. Eine Möglichkeit.
Manchmal wird mehr daraus. Manchmal bleibt es bei schönen Begegnungen, die ich trotzdem gern behalten möchte. Und manchmal merke ich, dass ich meine Zeit lieber Menschen geben will, bei denen ich mich weniger fragen muss, ob ich willkommen bin.
Auch das darf sein. Wenn ich heute über Freundschaften in Schweden schreibe, denke ich deshalb nicht nur an das Kennenlernen. Ich denke auch an die Zwischenräume. An die Tage, in denen nichts passiert. An meine Ungeduld. Und an den Wunsch, Nähe nicht ständig überprüfen zu müssen.
Ich möchte mich über eine Nachricht freuen können, ohne vorher eine Rechnung aufzumachen.
Und ich möchte irgendwann das Handy liegen lassen, meinen Kaffee trinken und einfach wissen: Wir haben uns lange nicht gehört. Aber wir sind einander nicht gleichgültig geworden.
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Ein weiteren Beitrag zu dem Thema kannst du hier lesen https://schwedentraum.de/mein-schwedenleben/freundschaften-in-schweden-warum-ankommen-zeit-braucht
Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
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