Mein Schwedenleben

Lucia in Schweden: Wie ich das Lichterfest kennenlernte

Ich kannte das Bild von Lucia. Aber erst über Kindergarten und Schule bekam das Lichterfest einen Platz in meinem eigenen Leben. Und heute sehe ich darin mehr als weiße Gewänder und eine Krone.

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Eine Frau beobachtet eine Gruppe weiß gekleideter Kinder mit Lichtern bei einer Luciaaufführung in einem Schulraum.
Erst über Kindergarten und Schule wurde Lucia für mich zu einer Tradition mit persönlicher Bedeutung.

Es gibt Traditionen, die kennt man schon, bevor man in ein Land zieht. Jedenfalls glaubt man das.

Lucia war für mich so eine Tradition. Weiße Gewänder, Lichter, Gesang. Ein schönes Bild von Schweden, das irgendwo in meinem Kopf seinen Platz hatte. Aber ein Bild zu kennen und eine Tradition im eigenen Alltag zu erleben, sind zwei verschiedene Dinge.

Ich lebe seit über zwanzig Jahren hier. Und trotzdem ist Lucia erst später wirklich in mein Leben gekommen. Über Kindergarten und Schule. Über unsere Kinder und die Welt, die sich dadurch auch für mich geöffnet hat.

Das überrascht vielleicht jemanden, der denkt: Wenn man nach Schweden zieht, bekommt man die schwedischen Traditionen gleich mitgeliefert.

So war es bei mir jedenfalls nicht.

Was ist das Luciafest in Schweden? Am 13. Dezember wird Lucia mit Gesang und Lichtern gefeiert. Zu einem Luciatåg, einem Luciazug, gehören häufig weiße Gewänder und eine Lucia mit einer Lichterkrone. Die Feiern finden unter anderem in Schulen, Kindergärten, Kirchen und an Arbeitsplätzen statt. [1][2]

Ein Land kennenlernen dauert länger als der Umzug

Man kann in Schweden wohnen, arbeiten, einkaufen und seinen Alltag organisieren, ohne jede Tradition persönlich kennenzulernen. Das klingt eigentlich selbstverständlich. Trotzdem hatte ich manchmal die Vorstellung, ich müsste bestimmte Dinge längst kennen.

Als würde die Zahl der Jahre automatisch bestimmen, wie vertraut man mit allem ist.

Dabei hängt so viel davon ab, wo man sich bewegt. Welche Menschen man trifft. Ob man Kinder hat, die plötzlich Einladungen und Termine mit nach Hause bringen. Und ob eine Tradition überhaupt in den eigenen Tagesablauf hineinreicht.

Für mich kam Lucia über Kindergarten und Schule näher. Das Fest bekam einen Platz in unserem Kalender. Es gehörte zu etwas, das unsere Familie beschäftigte.

Ich musste deshalb nicht plötzlich jede Geschichte dahinter kennen. Aber ich schaute anders hin. Weil es inzwischen mit unserem Leben zu tun hatte.

Lucia am 13. Dezember: Licht mitten im Winter

Hier bei uns in Västra Götaland ist die Dunkelheit im Dezember keine dekorative Kulisse. Sie gehört zum Tag. Morgens ist sie da. Am Nachmittag kommt sie schnell wieder.

Ich mag dunkle Abende. Das habe ich schon öfter erzählt. Und trotzdem verstehe ich sehr gut, warum Licht in dieser Jahreszeit so viel bedeutet.

Bei Lucia wird es mit Stimmen verbunden. Mit Liedern und Menschen, die gemeinsam etwas vorbereiten. Das macht das Fest für mich anders als einen Stern, den ich im Fenster einschalte.

Die Lichter gehören zu Menschen, die dort stehen. Zu einer Gruppe, die zusammen singt.

Vielleicht erklärt das auch, warum man eine Luciafeier nicht vollständig über ein Foto kennenlernen kann. Das Bild zeigt die Gewänder und die Krone. Den Klang muss man hören. Und wie sich ein Raum anfühlt, wenn Menschen aufmerksam werden, lässt sich ohnehin nur schwer festhalten.

Kindergarten und Schule: Wo eine Tradition persönlich wird

Wenn Kinder etwas aufführen, schaut man anders zu. Man sieht eben nicht nur eine schöne Tradition. Man interessiert sich für die Kinder, die daran teilnehmen.

Wie unterschiedlich so eine Feier aussehen kann, gehört für mich dazu. Eine kleine Gruppe im Kindergarten hat eine andere Atmosphäre als ein großer Chor. Beides kann berühren. Und nicht alles muss aussehen wie die Feier, die man aus dem Fernsehen kennt.

Gerade über diese alltäglichen Begegnungen habe ich Lucia besser kennengelernt. Nicht über eine Reise, die ich extra dafür geplant hatte, sondern über unser Familienleben.

Das finde ich im Rückblick schön. Manche Dinge, die ich heute mit Schweden verbinde, habe ich nicht gesucht. Sie sind näher gekommen, weil sich unser Alltag verändert hat.

Es war auch kein einzelner großer Moment, nach dem ich sagen konnte: Jetzt habe ich Schweden verstanden. So einfach ist das Ankommen nicht. Aber Lucia wurde ein Teil davon.

Lucia erreicht auch Menschen im Altenheim

Was mir bei diesem Thema wichtig ist: Lucia bleibt nicht auf Schulen oder große Konzerte beschränkt. Luciazüge besuchen auch Altenheime. Visit Sweden nennt diese Einrichtungen ausdrücklich als Orte der Tradition. [3]

Das kann ich auch aus meinem Arbeitsumfeld bestätigen. Ich arbeite im technischen Dienst der Kommune und bin unter anderem für ein Altenheim zuständig. Weihnachtsfeiern, auch mit Angehörigen, finden dort statt. Und Luciazüge kommen ebenfalls in Altenheime.

Ich möchte daraus keine bestimmte Begegnung erzählen, die ich so gar nicht erlebt habe. Aber dass diese Tradition auch dorthin kommt, bedeutet mir etwas.

Denn wenn wir über schwedische Weihnachten sprechen, sehen wir oft zuerst das Haus mit der Familie darin. Das Leben findet aber in vielen Räumen statt. Auch dort, wo Menschen Unterstützung brauchen und ihren Alltag nicht mehr im eigenen Zuhause verbringen.

Dass Gesang und Lichter diese Menschen erreichen, gehört für mich mit zum Bild von Lucia. Es erweitert dieses Bild. Weg von der schönen Aufnahme, hin zu dem, was eine Tradition im Alltag sein kann.

Lussekatter gehören dazu – unsere sind ohne Safran

Zu Lucia werden gerne Lussekatter gegessen, das typisch geformte Safrangebäck. Auch Pepparkakor und Glögg begleiten viele Feiern. [1]

Bei uns gibt es eine eigene Variante: Ich backe unsere Lussekatter ohne Safran. Mit Rosinen oder Schokodrops.

Das ist natürlich nicht die klassische Safranversion. Aber es ist die Version, die zu uns gehört.

Ich finde, man darf das deutlich sagen, ohne sich dafür zu rechtfertigen. Wenn ich schwedische Traditionen beschreibe, will ich erklären, wie sie allgemein aussehen können. Und wenn ich von uns erzähle, möchte ich bei unserem tatsächlichen Leben bleiben.

Nicht jedes Rezept, das bei uns auf den Tisch kommt, muss beweisen, dass wir alles ganz genau übernommen haben. Ich habe auch deutsche Gewohnheiten behalten. Die Vanillekipferl sind deshalb nicht verschwunden, weil wir inzwischen in Schweden leben.

Traditionen begegnen sich in einer Küche manchmal viel unkomplizierter als in einer Diskussion darüber, was richtig ist.

Muss man Lucia feiern, um in Schweden anzukommen?

Nein. Für mich ist Lucia kein Maßstab dafür, wie gut jemand hier angekommen ist.

Es gibt Menschen, die das Fest sehr lieben. Andere begegnen ihm am Arbeitsplatz oder in der Schule. Wieder andere haben damit wenig zu tun. Ich möchte daraus keine Rangfolge machen.

Gerade weil ich Lucia selbst erst später richtig kennengelernt habe, wäre es merkwürdig, anderen vorzuschreiben, wann sie eine Tradition zu kennen haben.

Was sich für mich verändert hat, war eher mein Blick. Ich hatte vorher ein Bild. Später kamen Menschen, Orte und eigene Bezüge dazu.

Vielleicht ist das ein Teil davon, in einem Land heimisch zu werden: Dinge bekommen eine Geschichte, die auch mit dem eigenen Leben verbunden ist.

Was von Lucia bei mir geblieben ist

Wenn ich heute an Lucia denke, sehe ich nicht nur eine Lichterkrone.

Ich denke an Kindergarten und Schule. An die Dunkelheit, in der Licht so deutlich auffällt. An eine Tradition, die auch zu Menschen ins Altenheim kommt. Und an unsere eigene Küche, in der die Lussekatter eben ohne Safran entstehen.

Das ist kein vollständiges Bild von Lucia in ganz Schweden. Es ist meines.

Und es ist mir inzwischen näher als das schöne Bild, mit dem ich einmal angefangen habe.

Mehr Geschichten aus meiner schwedischen Weihnachtszeit

In meinem Buch „Weihnachten in Schweden ist auch nicht immer wie im Bilderbuch“ mit dem Untertitel „Von Lucia, Julbord und dem echten Leben jenseits der Postkartenidylle“ erzähle ich mehr davon: von Traditionen, die ich kennengelernt habe, von unseren eigenen Gewohnheiten und von dem Alltag hinter den Weihnachtsbildern.

Hier erfährst du mehr über das Buch.

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Mehr Artikel ueber Weihnachten in Schweden findest du hier https://schwedentraum.de/mein-schwedenleben/weihnachten-in-schweden-zwischen-lucia-julbord-und-echtem-familienleben

Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung

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