Mein Schwedenleben
Weihnachten in Schweden: Zwischen Lucia, Julbord und echtem Familienleben
Den Stern im Fenster liebe ich. Die Küche dahinter kenne ich allerdings auch. Wie aus schwedischen Traditionen und deutschen Gewohnheiten unser eigenes Weihnachten geworden ist.
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Man kann sich sehr leicht in ein Bild von Weihnachten in Schweden verlieben. Ein rotes Haus. Schnee auf dem Dach. Ein Stern im Fenster. Drinnen Kerzenlicht, draußen Stille.
Ich verstehe das gut. Ich mag diese Bilder auch.
Nur fehlt auf ihnen meistens die Küche, in der noch gekocht wird. Und der Mensch, der gerade überlegt, ob für das Weihnachtsessen wirklich alles da ist. Seit über zwanzig Jahren lebe ich in Schweden. Weihnachten ist hier für mich längst mehr als eine schöne Vorstellung. Es ist unser Familienfest geworden. Mit schwedischen Traditionen, deutschen Gewohnheiten und einigen Dingen, die einfach nur zu uns gehören.
Wie wird Weihnachten in Schweden gefeiert? Zu den bekannten Traditionen gehören das Luciafest am 13. Dezember, das Weihnachtsbuffet Julbord und die Feier am Heiligabend. Glögg und Pepparkakor begleiten die Adventszeit. Wie daraus ein Weihnachtsfest wird, sieht in jeder Familie ein wenig anders aus. [1]
Der Stern im Fenster und das Leben dahinter
Hier bei uns auf dem Land in Västra Götaland wird es im Winter früh dunkel. Dann machen die Lichter in den Fenstern etwas mit mir. Ein Haus, an dem ich tagsüber vielleicht achtlos vorbeifahre, wirkt plötzlich warm und einladend.
Das ist ein Stück des Schwedens, das viele Menschen lieben. Ich auch. Aber für meine Weihnachtsstimmung brauche ich inzwischen keine geschlossene Schneedecke. Weihnachten findet auch statt, wenn der Garten dunkel und der Weg nass ist. Der Stern leuchtet trotzdem.
Vielleicht hat sich genau das verändert: Früher hatte ich ein ziemlich fertiges Bild davon, wie schwedische Weihnachten aussehen müssten. Heute kenne ich das Leben hinter den Fenstern besser. Auch hier muss jemand einkaufen, backen, abwaschen und überlegen, was der Familie gerade guttut.
Die Gemütlichkeit ist schön. Sie macht die Arbeit nur nicht unsichtbar, wenn man selbst mittendrin steht.
Lucia in Schweden: Eine Tradition, die für mich erst später lebendig wurde
Lucia gehört zu den bekanntesten schwedischen Traditionen. Am 13. Dezember bringen die Luciafeiern mit Liedern, weißen Gewändern und Lichtern Helligkeit in die dunkle Jahreszeit. [1]
Für mich war Lucia trotzdem nicht von Anfang an ein selbstverständlicher Teil meines Lebens hier. So richtig begegnet bin ich dem Fest erst über Kindergarten und Schule.
Ich finde das rückblickend interessant. Man kann lange in einem Land leben und trotzdem manche seiner Traditionen erst später kennenlernen. Weil sich der eigene Alltag verändert. Weil Kinder plötzlich Türen öffnen, durch die man vorher gar nicht gegangen ist. Aus einem Begriff, den ich kannte, wurde etwas, das mit unserem Leben zu tun hatte.
Und so ist es mit vielem beim Ankommen. Ich habe nicht an einem bestimmten Tag beschlossen, ab jetzt schwedische Weihnachten zu feiern. Es ist nach und nach entstanden.
Julbord: Der Weihnachtstisch wird zu unserem Tisch
Das Julbord ist ein Weihnachtsbuffet. Typische Bestandteile sind beispielsweise eingelegter Hering, Lachs, Weihnachtsschinken, Köttbullar und kleine Würstchen. Dazu kommen weitere kalte und warme Gerichte sowie Süßes. Die Zusammenstellung unterscheidet sich zwischen Familien und Regionen. [1]
Bei uns haben sich mit den Jahren eigene Favoriten herausgebildet. Köttbullar mache ich selbst. Janssons frestelse gehört zu den Gerichten, die unsere Kinder besonders mögen. Und bei Ris à la Malta darf es für mich ordentlich Sahne sein.
Ich könnte jetzt eine lange Liste schreiben, was auf ein richtiges Julbord gehört. Aber unser Weihnachtsessen ist kein Prüfungsbogen, auf dem am Ende alle Kästchen angekreuzt sein müssen.
Ich möchte, dass wir gerne essen. Dass Dinge auf dem Tisch stehen, auf die wir uns freuen. Manche davon sind schwedisch, andere habe ich aus Deutschland mitgebracht.
Vanillekipferl haben ihren Platz bei uns behalten. Unsere Lussekatter backen wir ohne Safran, je nach Vorliebe mit Rosinen oder Schokodrops. Das ist unsere Variante. Sie muss nicht stellvertretend für ganz Schweden stehen.
Gerade diese Mischung erzählt für mich viel darüber, wie wir hier leben.
Heiligabend: Zwischen Vorbereiten und Zusammensitzen
Am Heiligabend wird bei uns tagsüber gekocht und vorbereitet. Wir essen meistens gegen 16 oder 17 Uhr.
Das klingt in zwei Sätzen sehr übersichtlich. In Wirklichkeit steckt darin natürlich ein guter Teil des Tages.
Es gibt Essen, das vorbereitet werden kann, und Dinge, die erst kurz vor dem Essen fertig werden. Es gibt Vorfreude. Und den ganz gewöhnlichen Küchenalltag, der an Weihnachten nicht plötzlich aufhört.
Wenn ich von Weihnachten in Schweden erzähle, möchte ich beides zeigen. Das schöne Licht und die Vorbereitung dahinter. Den gedeckten Tisch und die Arbeit, bis wir endlich daran sitzen. Ich mag unser Fest. Trotzdem wird es nicht dadurch schöner, dass ich die anstrengenden Teile aus der Erzählung herauslasse.
Kalle Anka gehörte dazu – und dann veränderte sich etwas
Für viele Menschen in Schweden gehört das Weihnachtsprogramm mit Donald Duck, auf Schwedisch Kalle Anka, zum Heiligabend. [1]
Bei uns war das früher auch ein fester Bestandteil. Später wurde es weniger wichtig. Ich finde, das darf man ruhig erzählen. Wenn man über Traditionen liest, wirken sie oft wie etwas, das jedes Jahr unverändert wiederholt wird. In einer Familie bewegen sich die Dinge aber mit. Die Kinder werden älter. Interessen verändern sich. Manches bleibt, anderes rückt in den Hintergrund.
Eine Tradition kann uns über viele Jahre begleiten und trotzdem irgendwann weniger Raum einnehmen. Dadurch werden die früheren Weihnachtsfeste nicht weniger schön.
Unsere Weihnachten sind schwedisch geworden, ohne alles Deutsche zu verlieren
Wir haben einen künstlichen Weihnachtsbaum. Wir backen und kochen selbst. Und bei uns gab es auch schon Geschenke, die über Schatzkarten im Wald gefunden werden mussten.
Das sind die Dinge, an die ich denke, wenn ich unser Weihnachten beschreiben soll. Sie lassen sich nicht ordentlich in zwei Spalten aufteilen: hier Deutschland, dort Schweden. Nach so vielen Jahren ist das miteinander verwachsen.
Ich brauche keinen Wettbewerb darum, welches Land Weihnachten schöner feiert. Ich möchte erzählen, was ich hier kennengelernt habe und was daraus bei uns geworden ist.
Wer Schweden liebt, darf sich an den roten Häusern, den Sternen und dem Kerzenlicht freuen. Ich tue das selbst. Und wer wissen möchte, wie sich das Leben dort anfühlt, darf auch einen Blick in die Küche werfen.
Vielleicht liegt für mich genau darin das Vertraute: Unser Weihnachten hat inzwischen genug eigene Geschichte, um auch ohne perfektes Bild schön zu sein.
Mehr von meinem schwedischen Weihnachtsalltag
Aus diesen Erfahrungen ist mein Buch entstanden:
Weihnachten in Schweden ist auch nicht immer wie im Bilderbuch
Von Lucia, Julbord und dem echten Leben jenseits der Postkartenidylle
Ich erzähle darin von Traditionen und unserem Familienalltag, von übernommenen Gewohnheiten und dem, was geblieben ist. Wenn du Schweden auch jenseits der schönen Weihnachtsbilder kennenlernen möchtest, findest du dort mehr von meinen Geschichten.
Mehr über das Buch erfahren
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Mehr ueber das echte Leben in Schweden im Winter ..... und wie es sich anfuehlt liest du hier https://schwedentraum.de/mein-schwedenleben/heizen-mit-holz-in-schweden
Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
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