Mein Schwedenleben
Heiligabend in Schweden: So feiern wir den 24. Dezember
Gegen 16 oder 17 Uhr essen wir. Das klingt nach einem einfachen Plan – nur fehlt darin fast der ganze Tag. Über unseren Heiligabend, einen künstlichen Baum und Traditionen, die mit uns mitgehen.
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Heiligabend in Schweden: So läuft der 24. Dezember bei uns ab
Wenn ich sage, dass wir an Heiligabend gegen 16 oder 17 Uhr essen, klingt das nach einem ziemlich übersichtlichen Plan.
Eine Uhrzeit. Ein Tisch. Alle setzen sich hin.
Nur fehlt in dieser Beschreibung fast der ganze Tag.
Denn bevor wir sitzen, wird bei uns gekocht und vorbereitet. Weihnachten in Schweden bedeutet für mich nicht, morgens in einer fertigen Weihnachtswelt aufzuwachen. Auch am 24. Dezember stehen noch Dinge an. Der Unterschied ist eher, dass ich weiß, wofür ich sie mache.
Irgendwann wollen wir gemeinsam am Tisch sitzen. Und bis dahin ist unser Heiligabend schon längst in vollem Gang.
Wie wird Heiligabend in Schweden gefeiert? Der 24. Dezember heißt auf Schwedisch Julafton und ist der zentrale Tag des schwedischen Weihnachtsfestes. Viele Familien verbinden Weihnachtsessen und Geschenke an diesem Tag. Auch das Fernsehprogramm mit Kalle Anka gehört zu den bekannten Bräuchen. Der genaue Ablauf ist von Familie zu Familie verschieden.
Der Tag vor dem Abend
An dem Wort Heiligabend mag ich, dass es einen bestimmten Moment verspricht. Als würde irgendwann eine Tür aufgehen, und dann beginnt der ruhige Teil.
Bei uns ist der Übergang weniger eindeutig.
Tagsüber wird gekocht und vorbereitet. Manche Dinge lassen sich vorher erledigen. Andere gehören in die Stunden vor dem Essen. Und während ich damit beschäftigt bin, ist natürlich schon Weihnachten.
Das habe ich nicht immer so gesehen. In meiner Vorstellung lag das eigentliche Fest oft ein Stück weiter vorne. Wenn alles fertig ist. Wenn wir endlich essen. Wenn ich nicht mehr an das Nächste denken muss.
Dabei würde ich einen guten Teil unseres Weihnachtstages verpassen, wenn ich nur diesen fertigen Zustand gelten ließe.
Die Vorbereitung kann anstrengend sein. Ich will sie auch nicht nachträglich in lauter besinnliche Augenblicke verwandeln. Aber sie gehört dazu. Es ist unser Zuhause, in dem wir gerade ein Fest vorbereiten, und kein Ort, der erst nach dem letzten Handgriff schön sein darf.
Unser Essen gegen 16 oder 17 Uhr
Wir essen meistens gegen 16 oder 17 Uhr. Diese Zeit gehört zu unserem Ablauf. Sie ist kein schwedischer Stundenplan, nach dem alle Familien ihre Schüsseln auf den Tisch stellen.
Ich finde es wichtig, das auseinanderzuhalten. Wenn jemand fragt, wie Heiligabend in Schweden aussieht, kann ich die bekannten Traditionen erklären. Und dann erzählen, wie es bei uns ist.
Das sind zwei verschiedene Antworten, die gut nebeneinanderpassen.
Bei uns laufen die Vorbereitungen auf das Essen am späten Nachmittag zu. Was genau auf den Tisch kommt, habe ich im Julbord-Beitrag erzählt. Heute geht es mir mehr um den Tag drumherum: die Zeit, bis wir zusammenkommen, und den Moment, wenn aus Vorbereiten endlich Essen wird.
Dann stehen die Gerichte nicht mehr nur dafür, was noch fertig werden muss. Dann nimmt sich jemand etwas davon. Man reicht etwas weiter. Und ich kann hoffentlich auch sitzen bleiben, statt gedanklich weiter durch die Küche zu gehen.
Kalle Anka war früher fester eingeplant
Zu den berühmten schwedischen Weihnachtsbräuchen gehört das Fernsehprogramm mit Donald Duck, auf Schwedisch Kalle Anka. Traditionell versammeln sich viele Familien dafür am Nachmittag des 24. Dezember vor dem Fernseher. [1]
Bei uns war das früher auch fest eingeplant. Später wurde es weniger wichtig.
Das verändert einen Tag mehr, als man zuerst denkt. Eine feste Fernsehsendung gibt der Zeit einen Rahmen. Man weiß, wann man etwas unterbrechen oder erledigt haben möchte. Wenn dieser Termin an Bedeutung verliert, wird auch der Ablauf beweglicher.
Ich finde daran nichts Trauriges. Die früheren Jahre hatten ihren Platz. Und die späteren dürfen anders aussehen.
Mit Kindern verändert sich Weihnachten ohnehin. Was einmal unbedingt dazugehören musste, ist irgendwann vielleicht nur noch eine schöne Erinnerung. Dafür kommen andere Dinge hinzu.
Wenn ich unseren Heiligabend beschreibe, möchte ich deshalb keine Fassung festschreiben, die wir jedes Jahr wieder aufführen müssen. Ich erkenne unser Fest auch daran, dass es mit uns mitgeht.
Unser Weihnachtsbaum ist künstlich
Wir haben einen künstlichen Weihnachtsbaum.
Das ist eine dieser schlichten Tatsachen, die manchmal nicht zum erwarteten Schwedenbild passen. Wald, rote Häuser und Weihnachten – da stellt man sich wahrscheinlich eher einen frisch geschlagenen Baum vor.
Bei uns ist es eben ein anderer.
Ich erzähle das nicht, um eine Grundsatzdiskussion über Weihnachtsbäume aufzumachen. Es gehört einfach zu unserem Fest. Wenn ich dir unseren Heiligabend zeigen würde, stünde er dort.
Ich lebe seit über zwanzig Jahren in Schweden. In dieser Zeit ist vieles vertraut geworden. Aber vertraut heißt für mich nicht, dass ich möglichst genau ein Bild erfüllen muss, das ich früher von diesem Land hatte.
Unser Baum muss nicht erklären, wie schwedisch wir Weihnachten feiern. Er ist unser Baum.
Und das Leben findet um ihn herum statt.
Geschenke fanden bei uns auch schon einen anderen Weg
Zu unseren Weihnachtsgeschichten gehören auch Schatzkarten, die zu Geschenken im Wald führten.
Das ist kein Brauch, den ich ganz Schweden zuschreiben würde. Es ist eine unserer eigenen Ideen, die Teil unserer Erinnerungen geworden sind.
Gerade daran merke ich, wie persönlich ein Fest mit der Zeit wird. Man übernimmt etwas aus der Umgebung, behält anderes von früher und macht dann noch Dinge, die auf keiner Traditionsliste stehen.
Wenn ich heute an diese Schatzkarten denke, denke ich nicht zuerst an die Frage, ob das typisch schwedisch war. Ich denke daran, dass die Geschenke eine Suche bekommen haben. Einen Weg. Etwas, das vor dem Auspacken passiert ist.
Ich möchte daraus keine neue Erwartung machen. Niemand muss an Heiligabend eine Schatzsuche veranstalten. Aber ich mag, dass unser Weihnachtsfest Platz für solche eigenen Geschichten hatte.
Sie machen es wiedererkennbar. Für uns.
Draußen muss es nicht aussehen wie auf dem Weihnachtsbild
Hier bei uns in Västra Götaland ist der Dezember dunkel. Welche Farbe der Garten an Heiligabend hat, kann ich nicht festlegen.
Das Fest hängt für mich inzwischen weniger daran, ob draußen alles zur Vorstellung passt. Der Stern im Fenster leuchtet auch, wenn der Weg nass ist.
Ich mag Winterbilder mit Schnee sehr gerne. Aber ich möchte nicht an Weihnachten vor dem Fenster stehen und mit dem tatsächlichen Wetter unzufrieden sein, nur weil ich ein anderes Bild bestellt hatte.
Vielleicht ist das leichter geworden, weil ich so lange hier lebe. Schweden ist für mich Zuhause und nicht nur ein Versprechen auf eine bestimmte Stimmung.
Und an Heiligabend darf dieses Zuhause so aussehen, wie es gerade aussieht.
Wann beginnt für mich der ruhige Teil?
Wahrscheinlich nicht genau um 16 oder 17 Uhr.
Ich kann eine Uhrzeit fürs Essen nennen. Aber nicht auf die Minute sagen, wann mein Kopf mit den Vorbereitungen aufhört.
Manchmal braucht das einen Moment. Ich sitze schon, und ein Teil von mir ist noch bei dem, was ich vorher gemacht habe. Ich glaube, das kennen viele Menschen, die ein Fest vorbereiten.
Was mir an unserem Heiligabend wichtig ist, lässt sich deshalb nicht vollständig in einen Ablaufplan schreiben. Es geht auch darum, selbst im Tag anzukommen. Nicht nur dafür zu sorgen, dass er für die anderen funktioniert.
Das gelingt mal besser und mal weniger gut.
Ich mag unser Weihnachten trotzdem. Mit dem Essen am späten Nachmittag, dem künstlichen Baum und den Dingen, die sich über die Jahre verändert haben. Wenn ich davon erzähle, möchte ich den ganzen Tag mitnehmen.
Denn unser Heiligabend beginnt nicht erst dann, wenn alles fertig ist. Wir sind vorher schon mittendrin.
Mehr von unserem schwedischen Weihnachtsleben
In meinem Buch „Weihnachten in Schweden ist auch nicht immer wie im Bilderbuch“ erzähle ich mehr davon: „Von Lucia, Julbord und dem echten Leben jenseits der Postkartenidylle“.
Von übernommenen Traditionen, eigenen Gewohnheiten und einem Fest, das über die Jahre unseres geworden ist.
Mehr über mein Weihnachtsbuch.
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Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
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