Mein Schwedenleben
Wann endet Weihnachten in Schweden? Zwischen dem 6. Januar und Tjugondag Knut
Veröffentlicht am
Irgendwann dürfen die Weihnachtskisten wieder zu. Bei uns meistens um den 6. Januar. Warum Schweden mit Knut noch einen anderen Schlusspunkt kennt – und was nach dem Abschmücken bleiben darf.
6 Min. Lesezeit 3.557 Aufrufe

Traditionell endet Weihnachten in Schweden am 13. Januar, an Tjugondag Knut. Dazu gehört die Julgransplundring: ein festlicher Abschied vom Weihnachtsbaum. Wann eine Familie tatsächlich abschmückt, ist damit aber nicht festgelegt. Bei uns verschwindet die Weihnachtsdekoration meistens um den 6. Januar, spätestens am 13. Januar.
Beim Schmücken ist die Vorfreude groß. Kisten werden geöffnet, Dinge wiederentdeckt, ein Platz für dieses und jenes gesucht. Beim Abräumen fühlt sich dieselbe Kiste plötzlich ganz anders an.
Ich finde das einen eigenartigen Moment. Man freut sich auf Weihnachten, steckt Zeit hinein, kocht, backt und macht es sich schön. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Dekoration wieder verschwinden darf. Nicht, weil alles schrecklich gewesen wäre. Es ist einfach genug.
Bei uns ist das in der Regel um den 6. Januar so weit. Spätestens am 13. Januar ist Weihnachten dann auch bei uns ausgeräumt. Dass es in Schweden für das Ende der Weihnachtszeit einen eigenen Namen und eigene Bräuche gibt, passt wunderbar zu dieser Mischung aus Abschied und Aufräumen.
Wenn du die anderen Seiten der Weihnachtszeit kennenlernen möchtest, findest du auf meiner Themenseite Weihnachten in Schweden die weiteren Beiträge dieser Reihe.
Wann ist Weihnachten in Schweden traditionell vorbei?
Der traditionelle Schlusspunkt ist Tjugondag Knut am 13. Januar, zwanzig Tage nach Heiligabend. Das Nordiska museet beschreibt diese verlängerte Weihnachtszeit als einen seit mindestens dem 17. Jahrhundert belegten Brauch. Der 6. Januar gehört zu einer älteren Tradition des Weihnachtsendes und ist in Schweden als Trettondagen bekannt. [1]
Für mich erklärt das gut, warum einem beim Thema Abschmücken unterschiedliche Daten begegnen. Die beiden Januartermine stehen nicht einfach für „richtig“ und „falsch“. Da sind kulturelle Überlieferung und die eigene Gewohnheit, und beides kann nebeneinander bestehen.
Ich brauche keinen festlichen Kalenderbefehl, um zu merken, wann ich die Weihnachtsdekoration wieder wegräumen möchte. Aber ich finde es schön, den Hintergrund zu kennen. Dann ist der 13. Januar mehr als ein Datum, über das man zufällig stolpert.
Was bedeutet Tjugondag Knut?
Der Name bezeichnet den zwanzigsten Tag nach Heiligabend und verbindet ihn mit Knuts Namenstag. Isof, das schwedische Institut für Sprache und Volkskunde, nennt auch die längere Form „Tjugondedag Knut“; beide Schreibweisen sind gebräuchlich. [2]
Mir gefällt, dass ein Ende hier einen Namen bekommt. Es ist nicht nur „irgendwann nach den Feiertagen“, wenn die ersten Kugeln im Karton landen. Man kann die Weihnachtszeit bewusst verabschieden.
Das heißt für mich nicht, dass daraus eine zusätzliche Aufgabe werden muss. Im Dezember gibt es schon genug Gelegenheiten, aus einer schönen Idee ein Pflichtprogramm zu machen. Ich mag den Gedanken eher als freundlichen Abschluss: Es war schön. Jetzt geht es weiter.
Was passiert bei einer Julgransplundring?
Mit „Julgransplundring“ ist ein Weihnachtsbaum-Abschied gemeint: Man singt und tanzt, nimmt den Schmuck herunter und plündert den Baum auf Süßigkeiten. ICA beschreibt etwa kleine Naschereien in aufgehängten Papierherzen oder anderen Papierdekorationen. Es geht also um ein gemeinsames Fest rund um das Ende der Weihnachtszeit. [3]
Die Verbindung von Baumabschied und Feier führt das Nordiska museet auf bürgerliche Traditionen des 19. Jahrhunderts zurück. Im 20. Jahrhundert wurde der Brauch stark mit Kindern und Süßigkeiten verbunden. [1]
Stell dir den Unterschied vor: Ein Baum steht im Zimmer und muss weg. Oder derselbe Baum steht dort, und bevor er seinen Platz räumt, gibt es noch ein letztes gemeinsames Lied und etwas Süßes. Die Arbeit am Ende ist ähnlich. Die Stimmung kann eine andere sein.
Ich mag daran, dass ein Abschied nicht unbedingt traurig sein muss. Man kann etwas beenden und sich trotzdem darüber freuen, dass es da war.
Unser eigenes Abräumen darf auch ganz unspektakulär sein. Der Gedanke an einen bewussten Abschluss gefällt mir trotzdem.
Warum bleibt unser Weihnachtsbaum nicht automatisch bis Knut stehen?
Wir haben einen Kunstbaum. Damit fällt schon einmal die Frage weg, wann die Nadeln den Wohnzimmerboden übernehmen. Trotzdem bedeutet das nicht, dass ich ihn beliebig lange stehen lassen möchte.
Für mich verändert sich die Wirkung der Dekoration nach den Feiertagen. Was vorher Vorfreude gemacht hat, gehört irgendwann zu einer Zeit, die gerade zu Ende gegangen ist. Der Alltag ist wieder da, und ich möchte das auch im Zimmer merken dürfen.
Deshalb fangen wir um den 6. Januar mit dem Ausräumen an. Spätestens am 13. Januar ist Schluss. Das ist unser Rhythmus. Daraus würde ich weder eine Regel für andere machen noch ableiten, dass wir weniger Freude an Weihnachten hätten.
Wie unser Fest selbst aussieht, erzähle ich im Beitrag Heiligabend in Schweden: So feiern wir den 24. Dezember. Das Abschmücken ist für mich gewissermaßen die andere Seite davon: Auch ein schöner Abend und die Zeit drumherum dürfen einen Abschluss bekommen.
Muss am 13. Januar wirklich jede Weihnachtsdekoration weg sein?
Ein traditionelles Datum erzählt zunächst etwas über einen Brauch. Es legt nicht fest, wie ich mein Zuhause empfinden muss.
Für mich ist die hilfreichere Frage: Was möchte ich noch sehen, und was fühlt sich inzwischen nach „darf wieder in die Kiste“ an? Nicht jedes schöne Licht gehört automatisch nur zu Weihnachten. Eine gemütliche Lampe ist auch im Januar noch eine gemütliche Lampe.
Ich finde es schade, wenn man beim Abräumen gedanklich gleich die ganze Behaglichkeit mit einpackt. Der Winter verschwindet ja nicht zusammen mit den Weihnachtskugeln. Ein warmer Platz zum Sitzen und ein angenehmes Licht gefallen mir auch dann, wenn kein Weihnachtsmann mehr im Regal steht.
Man kann Weihnachten verabschieden und es sich weiterhin schön machen. Das ist für mich kein Widerspruch.
Wird Knut überall in Schweden gleich gefeiert?
Auch rund um Knut gibt es unterschiedliche Überlieferungen. Isof beschreibt neben dem Baumabschied örtliche Verkleidungsbräuche und Knutsmasso-Feiern, unter anderem im uppländischen Gimo. Die Weihnachtszeit konnte also auch mit Umzügen und Maskierungen verabschiedet werden. [2]
Solche Unterschiede erinnern mich daran, wie schnell wir aus einem Land ein einziges Bild machen. „In Schweden macht man das so“ klingt praktisch. Im wirklichen Leben möchte ich dann immer noch wissen: Wo? Wer? Und wie sieht es in dieser Familie aus?
Bei Weihnachten fällt mir das besonders auf. Wir erzählen gern von Traditionen, als wären sie ein vollständiger Ablaufplan. Dabei sind es am Ende Menschen, die feiern, essen, aufräumen und entscheiden, was ihnen wichtig ist.
Kurze Antworten zum Weihnachtsende in Schweden
Wann wird der Weihnachtsbaum in Schweden traditionell abgeräumt? Zum Weihnachtsende an Tjugondag Knut, dem 13. Januar. Der persönliche Termin kann davon abweichen. [1]
Was ist eine Julgransplundring? Ein festlicher Abschied vom Weihnachtsbaum mit Liedern, Tanz und Süßigkeiten. [3]
Ist der 6. Januar bei uns zu früh? Wir räumen meist um diesen Termin ab. Für mich passt das zu unserem Familienalltag; ich verstehe unser Zuhause nicht als Musterwohnung für einen Brauch.
Wenn die Kisten wieder zu sind
Ich finde, Weihnachten darf ein bisschen nachklingen. Aber ich muss es auch nicht festhalten, bis ich die Dekoration gar nicht mehr sehen mag.
Bei uns kommt irgendwann der Moment, in dem die Dinge wieder eingepackt werden. Dann sieht der Raum anders aus. Es fehlt etwas, und gleichzeitig ist wieder Platz. Beides darf sich bemerkbar machen.
Vielleicht gefällt mir deshalb die Vorstellung von Knut: eine Weihnachtszeit, die einen bewussten Abschluss bekommt. Bei uns liegt dieser Abschluss meistens schon um den 6. Januar, spätestens am 13. Januar. Danach ist das Zuhause immer noch unseres. Nur die Weihnachtskisten sind wieder zu.
Von solchen eigenen Wegen durch die Feiertage erzähle ich auch in meinem Buch „Weihnachten in Schweden ist auch nicht immer wie im Bilderbuch – Von Lucia, Julbord und dem echten Leben jenseits der Postkartenidylle“. Es ist mein persönlicher Blick auf die Weihnachtszeit zwischen Bräuchen, Erwartungen und Familienalltag. Hier findest du mein Weihnachtsbuch.
Wenn du weitere ehrliche Geschichten aus meinem schwedischen Alltag lesen möchtest, freue ich mich, wenn du dich für meinen Schwedentraum-Newsletter anmeldest.
Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
Diese Geschichte teilen
Für Instagram kopiere den Link und füge ihn in deine Story oder Nachricht ein.
Weiterlesen
Was andere dazu sagen
Noch hat niemand etwas geschrieben — magst du die Erste sein?


