Mein Schwedenleben
Kalle Anka an Weihnachten: Warum Schweden Donald Duck schaut
Veröffentlicht am
Donald Duck als fester Termin an Heiligabend? In Schweden gehört das für viele dazu. Bei uns war es früher auch so. Was hinter der Tradition steckt und warum unser Fest inzwischen anders aussehen darf.
7 Min. Lesezeit 3.553 Aufrufe

Kalle Anka an Weihnachten: Warum Schweden Donald Duck schaut – und wir nicht mehr jedes Jahr
Donald Duck als fester Termin an Heiligabend. Wenn man das zum ersten Mal hört, passt es vielleicht nicht sofort zu dem Bild von Schweden, das man im Kopf hat.
Kerzen, ja. Ein Stern im Fenster. Ein Weihnachtsbuffet. Aber ausgerechnet der Fernseher?
Und dann lebt man hier und merkt: Auch das gehört für viele Menschen dazu. Nicht nebenbei, während man auf das eigentliche Fest wartet. Sondern als Teil davon.
Bei uns war Kalle Anka früher auch fest eingeplant. Später wurde es weniger wichtig. Beides gehört zu meiner Geschichte über Weihnachten in Schweden: dass wir diese Gewohnheit übernommen haben und dass wir sie irgendwann nicht mehr jedes Jahr brauchten.
Warum schauen viele Menschen in Schweden an Weihnachten Donald Duck? Die Disney-Sendung „Kalle Anka och hans vänner önskar God Jul“ wird seit 1960 an Heiligabend im schwedischen Fernsehen gezeigt. Wiederkehrende Filmausschnitte und der gemeinsame Termin haben sie zu einem vertrauten Weihnachtsritual gemacht. Kalle Anka ist der schwedische Name von Donald Duck; im Programm treten aber auch andere Disneyfiguren auf. [1][2]
Wenn du erst einmal den größeren Zusammenhang kennenlernen möchtest: Hier findest du meine Geschichten über Weihnachten in Schweden.
Was ist Kalle Anka an Weihnachten eigentlich?
Wenn in Schweden von Kalle Anka an Heiligabend die Rede ist, geht es meist um diese bestimmte Weihnachtssendung. Der vollständige schwedische Titel bedeutet ungefähr: „Donald Duck und seine Freunde wünschen frohe Weihnachten“.
Es ist also nicht einfach irgendeine Folge einer Donald-Duck-Serie. Zum Programm gehört eine Zusammenstellung verschiedener Disney-Filmausschnitte. [2]
Ich finde diese Unterscheidung hilfreich. Sonst könnte man sich fragen, warum man ausgerechnet an Weihnachten etwas anschauen soll, das man doch auch an anderen Tagen sehen könnte.
Aber bei einer Tradition ist der Inhalt nur ein Teil. Der andere ist der Platz, den sie im Leben bekommen hat.
Ein Lied ist auch nicht nur eine Melodie, wenn ich es mit einer bestimmten Zeit verbinde. Ein Gericht ist nicht nur eine Zutatenliste, wenn ich mich jedes Jahr darauf freue. Und eine Fernsehsendung kann eben mehr sein als etwas, das gerade läuft.
Seit 1960: Wenn Wiederholung vertraut wird
Dass die Sendung seit 1960 an Heiligabend gezeigt wird, erklärt noch nicht jede persönliche Vorliebe. Es zeigt aber, wie lange sie schon Teil schwedischer Weihnachtsfeste sein kann. [1]
Wer damit aufgewachsen ist, bringt andere Erinnerungen mit als jemand, der sie erst als Erwachsener kennenlernt.
Ich bin nicht mit dieser schwedischen Fernsehtradition groß geworden. Für mich kam sie später dazu. Und trotzdem hatte sie zeitweise ihren festen Platz bei uns.
Wenn ich darüber nachdenke, verstehe ich gut, was Menschen an wiederkehrenden Dingen mögen können. Man muss nicht überlegen, was man dieses Jahr neu erfinden könnte. Etwas Bekanntes ist da. Man erkennt es wieder. Das kann genügen.
Die folgende Deutung ist meine eigene: Vielleicht hängt die Bedeutung solcher Rituale auch daran, dass sie einen Tag kurz festhalten. Um uns herum verändert sich vieles. Das Vertraute kommt noch einmal wieder.
Ich kann das mögen, ohne daraus abzuleiten, dass es allen gleich gehen muss.
Warum immer von 15 Uhr gesprochen wird
Der bekannte Zeitpunkt dieser Tradition ist der Nachmittag um 15 Uhr. SVT beschreibt „Kalle um 15 Uhr an Heiligabend“ selbst als eine seiner stärksten Traditionen. [3]
Das ist für eine Familie ein ziemlich deutlicher Zeitanker. Ein Weihnachtsfest hat vieles, das sich verschieben lässt. Ein Fernsehtermin gibt dagegen eine Uhrzeit vor.
Ich glaube, gerade deshalb kann eine Sendung einen größeren Einfluss auf den Tag bekommen, als man von außen vermutet. Man orientiert sich daran. Der Nachmittag bekommt einen Rahmen.
Wenn du für Weihnachten 2026 konkret planen möchtest, prüfe bitte vor dem Fest die aktuelle Programmübersicht von SVT. Die traditionelle Uhrzeit ersetzt keine bestätigte Programmplanung für dieses Jahr.
Wie wir unseren Tag mit Essen und Vorbereitungen gestalten, erzähle ich ausführlicher im Beitrag Heiligabend in Schweden: So feiern wir den 24. Dezember.
Bei uns war es früher ein fester Bestandteil
Früher gehörte Kalle Anka bei uns fest dazu. Später war das nicht mehr so. Wenn ich auf unsere Weihnachtsfeste zurückblicke, fällt mir gerade diese Veränderung auf.
Dazwischen liegt für mich ein ganz gewöhnlicher Teil des Familienlebens. Dinge verändern sich. Auch das, was man gerne zusammen macht.
Eine Gewohnheit kann lange passen und dann leiser werden. Es muss keinen großen Beschluss dazu geben. Manchmal merkt man erst im Rückblick, dass etwas nicht mehr dieselbe Bedeutung hat.
Das macht die früheren Jahre nicht falsch. Die Sendung hat damals zu unserem Fest gehört.
Ich finde es auch schön, dass ich eine schwedische Tradition nicht nur als Zuschauerin von außen kennengelernt habe. Sie war eine Zeit lang unsere eigene Gewohnheit. Ich weiß deshalb, dass sie mehr sein kann als eine kuriose Information in einer Liste über schwedische Weihnachten.
Und dann wurde unser Weihnachten beweglicher
Heute brauche ich kein bestimmtes Fernsehprogramm als Bestätigung dafür, dass wir Weihnachten feiern.
Das klingt selbstverständlich. Aber bei Traditionen steckt manchmal doch ein kleines „Das gehört sich so“ im Kopf.
Gerade wenn man in einem anderen Land lebt, kann aus Neugier schnell der Wunsch werden, möglichst viel richtig zu übernehmen. Man möchte verstehen, dazugehören und nicht ständig neben allem stehen.
Für mich gehört zum Vertrautwerden inzwischen auch, selbst entscheiden zu können. Das mag ich. Das haben wir ausprobiert. Das begleitet uns weiterhin. Und etwas anderes hat seinen Platz verändert.
Ich muss die Sendung dafür nicht schlecht finden. Andere Familien freuen sich darauf, und das verstehe ich. Unser Weihnachtsfest braucht nur nicht in jedem Jahr dieselbe Form.
Muss man Kalle Anka schauen, um schwedisch Weihnachten zu feiern?
Nein. Ein verbreiteter Brauch ist keine Verpflichtung für jede Familie.
Ich würde auch niemandem in Deutschland erklären, das Weihnachtsfest sei nur dann richtig, wenn ein bestimmtes Fernsehprogramm läuft. Mit Schweden möchte ich genauso umgehen.
Das Land hat bekannte Traditionen. Die Menschen leben sie auf unterschiedliche Weise.
Bei uns gibt es Dinge, die sehr beständig geworden sind. Bestimmte Lieblingsgerichte zum Beispiel. Wenn dich die interessieren, kannst du hier weiterlesen: Was bei uns zum Julbord auf den Tisch kommt.
Andere Gewohnheiten bewegen sich mit uns. Ich finde, beides darf zum selben Fest gehören.
Kann man die Sendung später oder aus Deutschland ansehen?
Das ist eine praktische Frage, die bei diesem Brauch schnell auftaucht. Nach den derzeitigen Angaben von SVT kann die Sendung auf SVT Play nur während der Live-Ausstrahlung angesehen werden. Anschließend steht sie dort aus Rechte-Gründen nicht auf Abruf bereit. Auch außerhalb Schwedens ist sie laut SVT nicht verfügbar. [3]
Wer sie sehen möchte, sollte diese Einschränkungen kennen und die Angaben vor Weihnachten nochmals direkt bei SVT prüfen. Ich würde deshalb kein „Das schaue ich später einfach nach“ fest einplanen.
Das gilt für die offizielle SVT-Play-Ausstrahlung dieser Sendung. Es ist keine Aussage darüber, welche einzelnen Disneyfilme auf anderen Plattformen angeboten werden.
Was von dieser Tradition bei mir bleibt
Wenn ich heute von Kalle Anka an Weihnachten erzähle, geht es mir auch um den Unterschied zwischen dem Kennenlernen und dem eigenen Leben damit.
Zuerst ist da ein Brauch, über den man vielleicht staunt. Dann bekommt er einen Platz im eigenen Kalender. Und Jahre später merkt man, dass sich dieser Platz verändert hat.
Ich mag, dass ich das erzählen kann. Es ist eine kleine Geschichte. Aber sie sagt für mich viel darüber, wie sich ein Leben in einem anderen Land entwickelt.
Ich habe Dinge übernommen, ohne sie für immer festschreiben zu müssen.
Und wenn bei uns an einem Heiligabend kein Kalle Anka läuft, fehlt deshalb nicht plötzlich Schweden im Wohnzimmer. Wir sind trotzdem da. Mit unserem Fest und allem, was inzwischen zu uns gehört.
Mehr von meinem schwedischen Weihnachtsleben
In meinem Buch „Weihnachten in Schweden ist auch nicht immer wie im Bilderbuch“ erzähle ich mehr davon: „Von Lucia, Julbord und dem echten Leben jenseits der Postkartenidylle“.
Persönliche Geschichten darüber, wie aus bekannten Bräuchen unser Familienalltag geworden ist – mit Gewohnheiten, die bleiben, und anderen, die sich verändern.
Das Weihnachtsbuch bei Amazon ansehen.
Wenn du weitere ehrliche Geschichten aus meinem schwedischen Alltag lesen möchtest, freue ich mich, wenn du meinen Newsletter abonnierst: Hier kannst du dich anmelden.
Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
Diese Geschichte teilen
Für Instagram kopiere den Link und füge ihn in deine Story oder Nachricht ein.
Weiterlesen
Was andere dazu sagen
Noch hat niemand etwas geschrieben — magst du die Erste sein?


