Mein Schwedenleben
Julbord in Schweden: Was dazugehört und was bei uns auf den Tisch kommt
Auf einer Liste stehen die klassischen Gerichte. An unserem Tisch sitzen Menschen mit eigenen Lieblingsspeisen. Warum bei uns Köttbullar und Jansson dazugehören – und was vor dem gemütlichen Essen passiert.
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Bei uns beginnt das Weihnachtsessen nicht erst dann, wenn wir uns hinsetzen. Es beginnt vorher. Mit Einkaufen, Vorbereiten und der Frage, was wir dieses Jahr alles machen.
Und irgendwann mit Köttbullar.
Die mache ich selbst. Wenn ich an unseren Weihnachtstisch denke, gehören sie einfach dazu. Genauso wie Janssons frestelse, den unsere Kinder besonders mögen. Bei anderen Gerichten kann man überlegen. Bei einem Familienliebling weiß ich schon vorher, dass er vermisst würde.
Das ist für mich ein schöner Unterschied zwischen einer Liste mit traditionellen Speisen und unserem tatsächlichen Weihnachtsessen. Auf der Liste steht, was in Schweden üblich ist. An unserem Tisch sitzen Menschen, die ihre eigenen Vorlieben haben.
Was ist ein Julbord? Julbord bedeutet wörtlich „Weihnachtstisch“ und bezeichnet das schwedische Weihnachtsbuffet. Es verbindet kalte und warme Speisen. Zu den Klassikern zählen eingelegter Hering, Lachs, Weihnachtsschinken, Köttbullar, kleine Würstchen und Kartoffelgerichte. Welche davon tatsächlich serviert werden, unterscheidet sich zwischen Familien und Regionen. [1]
Ein Weihnachtsessen mit vielen kleinen Entscheidungen
Wer sich ein Julbord ansieht, entdeckt schnell: Das ist kein einzelnes Gericht mit einer Beilage. Da stehen Schüsseln, Platten und kleine Gläser. Manches ist kalt, anderes soll warm gegessen werden.
Zum bekannten Bild gehören Sill, also eingelegter Hering, und Lachs. Julskinka ist der Weihnachtsschinken. Prinskorv sind kleine Würstchen. Dazu kommen beispielsweise Köttbullar, Kartoffeln und Rote-Bete-Salat. [1]
So eine Aufzählung ist hilfreich, wenn man zum ersten Mal vor den schwedischen Namen steht. Sie beantwortet aber noch nicht die Frage, wie das Essen in einer Familie aussieht.
Ich könnte eine besonders umfangreiche Auswahl auftischen und hätte damit noch keine Garantie, dass unser Weihnachtsessen schöner wird. Irgendjemand muss die Auswahl schließlich auch vorbereiten.
Bei uns geht es deshalb auch darum, was wir wirklich gerne essen. Was sich eingebürgert hat. Und worauf ich selbst Lust habe, wenn ich am Heiligabend einen guten Teil des Tages in der Küche verbringe.
Köttbullar: Die mache ich selbst
Köttbullar kennt man natürlich auch außerhalb der Weihnachtszeit. Für mich gehören sie trotzdem auf unseren Weihnachtstisch.
Ich mache sie selbst. Das ist eine Arbeit, die man einem fertigen Teller später nicht mehr ansieht. Da liegen dann die kleinen Fleischbällchen, und es wirkt ganz selbstverständlich, dass sie da sind.
Ich mag das Selbermachen. Aber wenn ich ehrlich von Weihnachten erzähle, gehört die Zeit dafür mit in die Geschichte.
Nicht nur der Moment, wenn alle am Tisch sitzen. Auch das Davor, in dem aus Zutaten ein Weihnachtsessen wird.
Vielleicht klingt das wenig romantisch. Für mich ist es sehr vertraut. Das Essen verbindet sich mit den Handgriffen, die ich dafür mache, und mit dem Wissen: Das mögen wir. Darauf freuen wir uns.
Ich muss daraus keine Vorführung machen. Am Ende sollen die Köttbullar gegessen werden.
Janssons frestelse: Bei uns ein Familienliebling
Janssons frestelse heißt auf Deutsch „Janssons Versuchung“. Gemeint ist ein Auflauf aus Kartoffeln, Zwiebeln, schwedischer Ansjovis und Sahne, häufig mit Semmelbröseln auf der Oberfläche. Er gehört zu den bekannten warmen Gerichten des Julbords. [2]
Ein kleines Detail ist wichtig, wenn man ihn in Deutschland nachkochen möchte: Schwedische Ansjovis sind gewürzte Sprotten. Das Wort sollte man bei diesem Gericht nicht einfach mit den üblichen salzigen Sardellenfilets gleichsetzen. [2]
Bei uns mögen die Kinder diesen Auflauf besonders gerne. Ich finde das immer wieder schön, weil ein Gericht dadurch einen ganz eigenen Platz bekommt.
Es ist dann eben nicht mehr nur ein schwedischer Weihnachtsklassiker, von dem ich irgendwo gelesen habe. Es ist etwas, das bei uns gewünscht wird.
So sind manche schwedischen Gewohnheiten Teil unseres Lebens geworden. Sie haben sich über den Geschmack eingeschlichen. Irgendwann stellt sich die Frage, ob das jetzt deutsch oder schwedisch ist, beim Essen gar nicht mehr.
Da ist einfach unser Jansson.
Kaltes und Warmes: Warum ich nicht alles auf einmal betrachten muss
Ein Julbord kann auf den ersten Blick ziemlich viel sein. Hering hier, Fleischbällchen dort, ein Auflauf daneben. Ich finde schon die Unterscheidung zwischen kalten und warmen Speisen hilfreich, wenn man sich damit vertraut macht.
Man muss nicht jeden Namen sofort kennen. Es hilft, erst einmal zu fragen: Was ist das eigentlich? Und möchte ich es probieren?
Ich möchte aus unserem Familienessen keine Benimmstunde machen. Gerade zu Hause sieht der Umgang mit einem Buffet anders aus als bei einer festlichen Einladung oder in einem Restaurant.
Wer zum ersten Mal bei einem Julbord eingeladen ist, kann sich an den Gastgebern orientieren. In diesem Beitrag geht es mir vor allem darum, die Gerichte einzuordnen und zu erzählen, was sie bei uns geworden sind. Einen angeblich überall verbindlichen Ablauf würde ich daraus nicht ableiten.
Unser Julbord findet am Heiligabend statt
Wir essen an Heiligabend meistens gegen 16 oder 17 Uhr. Tagsüber wird gekocht und vorbereitet.
Das ist unser Ablauf. Er ist keine Uhrzeitvorgabe für ganz Schweden.
Ich schreibe das bewusst dazu, weil aus persönlichen Erzählungen schnell allgemeine Regeln werden. Eine Familie macht es so, die nächste anders. Und selbst bei uns ist ein Weihnachtsfest nicht die Kopie des vorherigen.
Der gedeckte Tisch ist das Ziel, auf das ich beim Vorbereiten hinarbeite. Trotzdem gehört der Tag davor beziehungsweise die Zeit bis zum Essen genauso zu Weihnachten.
Ein Geschirrtuch in der Küche macht das Fest nicht weniger schön. Es liegt dort, weil jemand etwas gekocht hat.
Wenn ich Bilder von perfekten Weihnachtstischen sehe, freue ich mich daran. Ich weiß inzwischen nur sehr genau, was außerhalb des Bildausschnitts noch alles stehen könnte.
Ris à la Malta: Für mich gerne mit viel Sahne
Zum schwedischen Weihnachtsessen gehört auch Süßes. Ris à la Malta ist ein bekanntes Dessert auf Milchreisbasis, das mit Sahne zubereitet wird. [1]
Meine Vorliebe ist dabei ziemlich eindeutig: viel Sahne. Dazu Obst.
Ich mag solche Details, weil sie mehr über unseren Tisch erzählen als eine besonders vollständige Liste. Ein Gericht kann für viele Menschen zum Weihnachtsfest gehören, und trotzdem hat fast jede Familie ihre eigene Vorstellung davon, wie es schmecken soll.
Bei uns darf es so sein, wie wir es mögen.
Und wenn nach den herzhaften Gerichten noch Platz für etwas Süßes ist, freue ich mich darauf. Ob dieser Platz groß oder klein ausfällt, wird sich dann zeigen.
Die deutschen Gewohnheiten sind nicht verschwunden
Zu unserer Weihnachtszeit gehören auch Vanillekipferl. Und unsere Lussekatter backe ich ohne Safran, mit Rosinen oder Schokodrops.
Das steht nicht alles gleichzeitig auf dem Julbord. Aber es gehört zum Essen und Backen rund um unser Weihnachtsfest.
Nach über zwanzig Jahren in Schweden besteht unser Alltag aus vielen solchen Verbindungen. Ich habe Dinge übernommen und andere behalten. Manche Rezepte haben eine eigene Form bekommen.
Unser Tisch muss keine Herkunftsprüfung bestehen. Er erzählt ohnehin, wo wir gelebt haben und was uns wichtig geworden ist.
Gerade beim Essen merke ich, wie wenig hilfreich starre Grenzen manchmal sind. Die Vanillekipferl nehmen den schwedischen Gerichten nichts weg. Und ein selbst gemachter Jansson verlangt nicht, dass ich alles andere vergesse.
Nach Weihnachten wird weitergegessen
Wenn das Essen vorbei ist, sind die Schüsseln meistens noch nicht leer. Bei uns gibt es nach Heiligabend zwei oder drei Tage lang die üblichen Reste.
Auch das gehört zu unserem Julbord. Manches, das am Weihnachtsabend vorbereitet und serviert wurde, steht später noch einmal auf dem Tisch.
Ich finde, solche Dinge dürfen in einer Weihnachtsgeschichte vorkommen. Nicht nur die erste schön angerichtete Platte. Auch das Wiedersehen mit dem Essen am nächsten Tag.
Denn genau daran erkennt man unseren Familienalltag. Weihnachten ist ein Fest, aber es bleibt unser Leben.
Wenn du mich fragst, was auf unser Julbord gehört, könnte ich dir deshalb zuerst die Gerichte aufzählen. Köttbullar. Jansson. Etwas Süßes zum Schluss.
Und dann würde ich wahrscheinlich anfangen zu erzählen. Davon, was wir gerne essen, was ich selbst mache und was sich über die Jahre eingebürgert hat.
Der schwedische Weihnachtstisch ist bei uns längst zu einem Tisch mit eigener Geschichte geworden.
Mehr vom Weihnachtsleben hinter den schönen Bildern
In meinem Buch „Weihnachten in Schweden ist auch nicht immer wie im Bilderbuch“ erzähle ich mehr von unserem Fest – „Von Lucia, Julbord und dem echten Leben jenseits der Postkartenidylle“.
Wenn du Schweden gerne auch durch persönliche Geschichten kennenlernst, findest du darin mehr von unserem Weihnachtsalltag und von den Gewohnheiten, die uns begleiten.
Mehr über mein Weihnachtsbuch.
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Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
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