
Advent in Schweden ist vor allem eine Zeit des Lichts. In unzähligen Fenstern steht spätestens ab dem ersten Advent ein elektrischer Leuchter, und drinnen brennen viele kleine Lichter statt einer großen Lampe. Dazu kommen Backen, Lucia und Wochenenden, an denen man sich bewusst Zeit füreinander nimmt.
Im Dezember parke ich etwa dreißig oder vierzig Meter vom Haus entfernt. Vom langen Privatweg aus sehe ich noch nichts. Erst hier, fast angekommen, erkenne ich die hellen Bögen in den Fenstern. In jedem Fenster im Erdgeschoss einer. Dann wirkt unser Haus einladend. Für mich bekommt es in diesen Wochen eine Seele.
Warum spielt Licht im schwedischen Advent so eine große Rolle?
Weil die Dunkelheit hier früh kommt und lange bleibt. Das war für mich die erste Überraschung des schwedischen Winters. Nicht die Kälte. Die Dunkelheit.
Man steht morgens auf und wartet auf das Licht. Kaum hat sich der Tag richtig gezeigt, zieht er sich schon wieder zurück. Spätestens im November verstehe ich jedes Jahr, warum in Schweden so viele Leuchter in den Fenstern stehen.
Oft werde ich gefragt, ob mich das nicht depressiv macht. Meine ehrliche Antwort: Nein. Ich weiß, dass andere Menschen unter den kurzen Tagen leiden. Bei mir ist es anders. Im Sommer zieht es mich hinaus, die langen Tage wollen gefüllt werden. Der Winter nimmt dieses Drängen heraus. Er erlaubt mir, mich nach innen zu wenden. Ins Haus und auch zu mir selbst. Ich schreibe, plane und räume auf, was lange liegen geblieben ist. Warum ich diese Zeit gern habe, erzähle ich auch in Ich mag die dunklen Abende.
Jeden Sonnentag im Winter genieße ich trotzdem ganz bewusst. Liegt dann noch Schnee, wird aus wenig Tageslicht erstaunlich viel Helligkeit. Der Schnee wirft das Licht zurück. Alles wirkt klarer, weiter und freundlicher.
Was ist ein Adventsljusstake?
Der adventsljusstake, meist einfach ljusstake genannt, ist der typische elektrische Adventsleuchter, den du in Schweden in unzähligen Fenstern siehst. Häufig hat er sieben kleine Lichter. Sie sind wie eine flache Treppe oder ein sanfter Bogen angeordnet.
Bei uns gibt es kein ausgewähltes Fenster, damit es von außen nett aussieht. Jedes Fenster im Erdgeschoss bekommt seinen Leuchter. Spätestens zum ersten Advent holen Andrea und ich sie hervor. Manchmal auch etwas früher. Mit dem Datum nehmen wir es nicht so genau. Die Kinder helfen mit, wenn sie Lust haben. Wenn nicht, machen Andrea und ich es eben zu zweit.
So sieht Advent bei uns drinnen aus:
- Ljusstakar auf jeder Fensterbank im Erdgeschoss.
- Lichtgirlanden im Wohnzimmer und in der Küche, manche sogar um die Lampen gewickelt.
- Kein großes Deckenlicht. Stattdessen viele kleine warme Punkte.
- Der Ofen, der wärmt, während es draußen früh dunkel wird.
In einem nüchternen Einrichtungskatalog würde das vermutlich nicht als notwendige Beleuchtung durchgehen. Uns ist das egal. Wir wollen Atmosphäre. Es ist kein grelles Licht. Es will keinen Raum taghell machen. Von drinnen spiegeln sich die Lichtbögen im Glas, während dahinter der Garten in der Dunkelheit verschwindet.
Mir gefallen auch die Fenster der Häuser, deren Bewohner ich gar nicht kenne. Wer im Dezember durch eine schwedische Wohnstraße fährt, sieht diese Leuchter immer wieder. Sie gehören für mich inzwischen zum Dezember.
Wie verbringt man die Adventswochenenden in Schweden?
Das ist von Familie zu Familie verschieden. Andrea und mir war von Anfang an wichtig, an den Adventswochenenden gemeinsam Weihnachtsstimmung zu erleben.
Das muss kein großer Ausflug sein. Bei uns sieht es meistens so aus:
- Wir backen.
- Wir treffen Vorbereitungen für Weihnachten.
- Vielleicht fahren wir nach Liseberg, das in der Weihnachtszeit zu Liseberg Jul wird.
- Oder wir bleiben einfach im warmen Haus. Die Lichter sind an, der Ofen wärmt.
Beim Backen merkst du schnell, dass es das eine schwedische Weihnachten nicht gibt. Manche backen alles selbst. Andere kaufen den Pepparkaksteig fertig. Beides kann schwedisch sein. Auch wir machen nicht alles genau nach Grundrezept. Schon beim Safran für die Lussekatter gehen die Meinungen in unserer Familie auseinander. Ein paar Klassiker zum Nachbacken findest du in meinen schwedischen Weihnachtsrezepten.
Ehrlich gesagt hat nicht jeder immer Lust auf dasselbe. Auch bei uns verbringen nicht vier Menschen jedes Adventswochenende in ununterbrochener Weihnachtsbegeisterung. Manchmal sind andere Dinge wichtiger. Aber wir nehmen uns die Zeit. Das ist der Punkt.
Welche Rolle spielt Lucia im schwedischen Advent?
Lucia ist einer der stillsten und zugleich stärksten Momente dieser Wochen. Wenn eine Lucia im weißen Kleid durch die Dunkelheit kommt, kann ein ganzer Raum still werden.
Für Ella und Elias gehörten Lucia und die schwedischen Weihnachtslieder von Anfang an dazu. Sie mussten das nicht erst kennenlernen. Andrea und ich schon. Wie ich das Lichterfest kennengelernt habe, erzähle ich in Lucia in Schweden.
Wie schwedisch ist unser Advent eigentlich?
Deutlich schwedischer als deutsch. Am Anfang wussten Andrea und ich erstaunlich wenig. Wir hatten keine schwedische Familie, die uns etwas erklärte. Nach außen sah vieles vertraut aus. Im Detail standen wir dann doch öfter da und mussten erst einmal schauen.
Also beobachteten wir. Wir probierten aus. Wir übernahmen, was uns gefiel, und ließen weg, was nicht zu uns passte. Bei uns werden keine deutschen Weihnachtslieder gesungen. Die Sprache des Festes ist Schwedisch. Aus Deutschland haben wir vor allem die Vanillekipferl mitgenommen. Die durften bleiben.
Was ich dabei spannend finde: Selbst der Weihnachtsbaum kam nach Angaben des Nordiska museet einst aus Deutschland nach Schweden. Was heute selbstverständlich wirkt, musste auch erst einmal hier ankommen. Wie es nach dem Advent weitergeht, mit Julbord, Heiligabend und allem, was dazugehört, findest du gesammelt unter Weihnachten in Schweden.
Ist Advent in Schweden immer so gemütlich, wie es aussieht?
Nein. Das schöne Bild stimmt, aber es erzählt nicht alles. Hinter den Lichtern steht ein Dezember, in dem eingekauft, gearbeitet, gebacken und organisiert werden muss. Und in dem man sich trotzdem jedes Jahr wieder auf die Lichter freut.
Gerade in dieser Zeit spüre ich die Entfernung zu meinem Sohn. Er blieb in Deutschland, als wir nach Schweden gingen. Wir telefonieren und halten Kontakt. Ein Anruf ist trotzdem nicht dasselbe, wie gemeinsam an einem Tisch zu sitzen. Ich vermisse ihn. An unserer Entscheidung für Schweden zweifle ich deshalb nicht.
Und es gibt Menschen, für die diese Wochen schwer sind. Weil jemand fehlt. Weil das Geld nicht reicht. Weil sie nicht so feiern können, wie sie gern würden. Von außen sieht man nur ein beleuchtetes Fenster. Wie es dahinter aussieht, weiß man nicht. Über diese Seiten schreibe ich ausführlicher in meinem Buch Weihnachten in Schweden ist auch nicht immer wie im Bilderbuch.
Advent darf Wochen dauern. Heiligabend darf intensiv sein. Danach darf das Leben wieder weniger dekoriert weitergehen.
Häufige Fragen
Wann stellt man in Schweden die Adventsleuchter auf?
Typisch ist der erste Advent. Wir holen unsere Leuchter spätestens dann hervor, manchmal auch etwas früher. Eine feste Regel, die alle befolgen, kenne ich nicht. Mit dem Datum nehmen wir es bei uns nicht so genau.
Liegt im Advent in Schweden Schnee?
Nicht verlässlich. Die Dunkelheit ist verlässlich, der Schnee ist es nicht. Es gibt die weißen Wintertage, an denen alles wie im Film aussieht. Es gibt aber auch graue Tage, nasse Wege, kahle Bäume. In Süd- und Mittelschweden kann es sogar an Heiligabend regnen.
Feiern alle Schweden Advent gleich?
Nein. Schweden ist lang. Eine Familie in Skåne erlebt den Winter anders als eine Familie weit im Norden. Auch die Traditionen unterscheiden sich von Haus zu Haus. Was ich hier erzähle, ist unser Advent. Nicht automatisch der unserer Nachbarn.
Wie lange dauert die Weihnachtszeit in Schweden?
Länger, als viele denken. Traditionell endet Weihnachten hier am 13. Januar. Der Advent ist also nur der Anfang einer langen Zeit voller Lichter.
Bald hole ich die Leuchter wieder aus dem Schrank. Andrea und ich stellen sie auf, vielleicht helfen die Kinder, vielleicht nicht. Und wenn ich dann abends parke und die hellen Bögen in den Fenstern sehe, weiß ich: Der Advent ist da. Wie feierst du die dunklen Wochen? Ich bin gespannt.
Herzliche Grüße aus Grästorp in Västra Götaland
Deine Petra
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Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
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