Mein Schwedenleben
Weihnachtsmarkt in Schweden: Gibt es das überhaupt?
Veröffentlicht am Aktualisiert am
Wir hatten uns den ersten schwedischen Dezember voller Buden und Lichter vorgestellt. Dann kam die Wirklichkeit, und mit ihr ein ganz eigener Weg zum Weihnachtsmarkt.
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Ja, es gibt Weihnachtsmärkte in Schweden. Aber nicht so, wie du sie aus Deutschland kennst. Die Märkte finden eher an bestimmten Orten statt, oft nur an ein oder zwei Wochenenden, und gerade auf dem Land fährst du gezielt hin, statt zufällig daran vorbeizulaufen.
In unserem ersten Winter in Schweden hatten Andrea und ich ein klares Bild im Kopf. Romantisch sollte es werden. Wir sahen uns schon von einem Weihnachtsmarkt zum nächsten fahren. Weit gefehlt. Wir kamen aus dem Ruhrgebiet. Dort gab es in jeder Stadt mindestens einen Markt. Wir waren verwöhnt, das gebe ich offen zu. Unser erster schwedischer Dezember auf dem Land sah anders aus. Keine Buden. Damals nicht einmal Weihnachtsmusik beim Einkaufen. Ehrlich gesagt hatten wir fast das Gefühl, Weihnachten fällt hier aus.
Heute, nach über 20 Jahren in Schweden, sehe ich das anders. Nicht, weil sich alles verändert hat. Sondern weil wir gelernt haben, wo und wie Schweden diese Zeit feiert. Mehr über unseren Dezember insgesamt findest du auf meiner Seite Weihnachten in Schweden.
Wie unterscheiden sich schwedische Weihnachtsmärkte von deutschen?
Sie sind seltener, oft kürzer und weniger Teil des Alltags. In Deutschland gehört der Markt fast selbstverständlich zum Dezember. Die Buden stehen über Wochen dicht an dicht. Es riecht nach gebrannten Mandeln, Glühwein und Bratwurst. Nach der Arbeit trifft man sich noch schnell auf einen Becher.
In kleineren schwedischen Städten erleben wir das so nicht. Der Weihnachtsmarkt ist hier kein Ort, an dem du jeden Tag vorbeikommst. Er ist eher ein Ausflug. Du planst ihn. Du fährst hin. Und dann ist er wieder vorbei.
Was wir aus Deutschland kanntenWas wir in Schweden erlebenMindestens ein Markt in jeder StadtMärkte an bestimmten Orten, auf dem Land seltenBuden über mehrere WochenKleinere Märkte oft nur ein oder zwei WochenendenSpontan nach der Arbeit vorbeigehenBewusst hinfahren, als AusflugDer Markt als Mittelpunkt der AdventszeitLichter in den Fenstern, Lucia und Julbord prägen den DezemberDas klingt vielleicht nüchtern. Für uns hat es aber etwas Gutes. Wenn wir fahren, dann richtig. Mit Zeit. Ohne Hetze.
Wo findest du Weihnachtsmärkte in Schweden?
Du findest sie vor allem in größeren Städten, auf Gutshöfen und an besonderen Orten. Auf Schwedisch heißen sie julmarknader. Ein paar Beispiele, wo du suchen kannst:
- Stockholm: Dort gibt es bekannte Veranstaltungen, etwa auf Skansen.
- Gutshöfe und größere Höfe: Viele veranstalten im Advent ihren eigenen julmarknad.
- Manche Städte: Auch sie haben ihren Weihnachtsmarkt, oft für eine begrenzte Zeit.
- Orte mit eigener Weihnachtswelt: Für uns ist das Liseberg in Göteborg.
Ich will ehrlich sein. Wir besuchen eher selten klassische Weihnachtsmärkte. Ich kann dir also nicht jeden Markt im Land empfehlen. Die kleineren Märkte, die wir kennen, dauern meist nur ein oder zwei Wochenenden. Wenn du einen bestimmten Markt besuchen möchtest, schau rechtzeitig auf die Seite des Veranstalters. Termine und Öffnungszeiten ändern sich von Jahr zu Jahr.
Warum ist Jul på Liseberg unser Weihnachtsmarkt geworden?
Weil wir dort jedes Jahr dasselbe tun und es trotzdem jedes Mal schön ist. Schon im ersten Winter, nach der Enttäuschung, haben wir herausgefunden, dass es in Göteborg auf Liseberg einen kleinen Weihnachtsmarkt gibt. Den wollten wir uns in Ruhe ansehen. Daraus ist eine feste Tradition geworden. Einmal im Jahr fahren wir zu Jul på Liseberg.
Liseberg ist ein großer Freizeitpark. Wenn du einen Vergleich aus Deutschland brauchst: ungefähr wie das Phantasialand. In der Weihnachtszeit verwandelt sich der Park. Überall Lichter, Tannen, winterliche Dekoration. Gleichzeitig bleibt er ein Freizeitpark mit Fahrgeschäften. Genau diese Mischung mögen wir.
Dazu gehört das chokladhjul, das Schokoladenrad. Du suchst dir Nummern aus, dann wird das große Rad gedreht. Bleibt es auf deinem Feld stehen, gewinnst du Schokolade. Wir überlassen das nicht ganz dem Zufall. Wir nehmen so viele Nummern, dass wir meistens tatsächlich gewinnen. Und dann ist es keine kleine Tafel für die Jackentasche. Es sind diese riesigen Kartons, ungefähr einen Meter lang, mit zwanzig oder dreißig Tafeln darin. Wie viele genau, weiß ich nie. Ich weiß nur: Wir gehen selten ohne Schokolade nach Hause.
Wir gehen auch bis heute ins Kaninchenland, Kaninlandet. Eigentlich ist es für kleine Kinder gedacht. Ella und Elias sind längst keine kleinen Kinder mehr. Trotzdem gehört es dazu. Gerade deshalb. Dort liegen Erinnerungen an frühere Besuche. Die Kinder sind größer geworden, der Ort ist derselbe geblieben. Ihn auszulassen, würde sich falscher anfühlen, als noch einmal hinzugehen.
Still und besinnlich ist es dort nicht. Menschen lachen, Musik spielt, Fahrgeschäfte drehen sich durch die Kälte. Und trotzdem liegt über allem dieses besondere Dezemberlicht. Liseberg ist unser großes Weihnachtsleuchten draußen.
Was ersetzt auf dem Land den Weihnachtsmarkt?
Das Licht in den Fenstern, ein paar feste Termine und vieles, was zu Hause passiert. Schon im ersten Winter fiel uns auf, dass jedes noch so kleine Fenster geschmückt war. Sogar die Scheunenfenster. Hier und da standen beleuchtete Tannen vor den Häusern. Kein Trubel. Aber überall dieses Leuchten.
Dann ist da Lucia am 13. Dezember. Wie ich dieses Lichterfest kennengelernt habe, habe ich in Lucia in Schweden: Wie ich das Lichterfest kennenlernte aufgeschrieben. Und es gibt das Julbord, das Weihnachtsbuffet. In vielen Restaurants bekommst du es nach Vorbestellung. Mit dem unvermeidlichen Julskinka, der ein bisschen wie Kasseler schmeckt, und Fisch in allen Variationen. Was bei uns auf den Tisch kommt, liest du in Julbord in Schweden.
Der Rest passiert bei uns zu Hause:
- Die Ljusstakar in den Fenstern und der Holzofen. Das ist unser Leuchten drinnen.
- Pepparkakor. Ich gebe es zu: Wir nehmen Fertigteig. Den gibt es in der Weihnachtszeit in vielen Lebensmittelgeschäften. Ausrollen, ausstechen, backen. Das Haus duftet trotzdem herrlich.
- Vanillekipferl. Die einzige deutsche Weihnachtstradition, die wir wirklich mitgenommen haben.
Mehr brauchen wir eigentlich nicht. Gerade die dunklen Abende machen das Licht so wertvoll. Darüber habe ich in Leben in Schweden: Ich mag die dunklen Abende geschrieben.
Lohnt sich ein Abstecher zum Weihnachtsmarkt nach Deutschland?
Wenn dir der deutsche Markt fehlt, ja. Und du bist damit nicht allein. Schon in unseren ersten Jahren merkten wir, dass auch Schweden gern einen Abstecher zu deutschen Weihnachtsmärkten machen. Als wir mit der Zeit mehr Kontakte hatten, nahmen wir sogar eine Arbeitskollegin und ihren Mann mit auf den Kölner Weihnachtsmarkt.
Für uns selbst war das Vermissen am Ende kleiner als gedacht. Wir hatten keine große Sammlung fester deutscher Traditionen, die wir in Schweden nachbauen wollten. Vieles, was heute zu unserem Dezember gehört, ist erst hier entstanden. Wir konnten ausprobieren, was uns gefällt. Wie unser schwedischer Dezember mit all seinen Brüchen wirklich aussieht, erzähle ich ausführlicher in meinem Buch Weihnachten in Schweden ist auch nicht immer wie im Bilderbuch.
Häufige Fragen
Wie heißt Weihnachtsmarkt auf Schwedisch?
Der Weihnachtsmarkt heißt julmarknad, in der Mehrzahl julmarknader. Mit diesem Wort findest du bei der Suche die meisten Veranstaltungen.
Wie lange dauern Weihnachtsmärkte in Schweden?
Die kleineren Märkte, die wir kennen, dauern oft nur ein oder zwei Wochenenden. Größere Veranstaltungen laufen länger. Die genauen Termine prüfst du am besten jedes Jahr neu beim Veranstalter.
Gibt es auf dem Land in Schweden Weihnachtsmärkte?
So wie in Deutschland, in jedem Ort und über Wochen, haben wir das auf dem Land nicht erlebt. Es gibt Märkte auf Gutshöfen und größeren Höfen, aber du fährst gezielt hin.
Lohnt sich Jul på Liseberg auch mit älteren Kindern?
Für uns ja. Ella und Elias mögen die Fahrgeschäfte, aber auch die Atmosphäre und die gemeinsame Zeit. Wir gehen sogar noch ins Kaninchenland, obwohl es eigentlich für Kleinere gedacht ist.
Was mache ich, wenn mir der deutsche Weihnachtsmarkt fehlt?
Du kannst einen Abstecher nach Deutschland planen, das machen auch viele Schweden gern. Oder du suchst dir hier einen eigenen Ort, der zu deiner Familie passt. Bei uns ist das Liseberg geworden.
Der erste Dezember in Schweden hat uns enttäuscht. Das darf ich ruhig sagen. Wir haben etwas gesucht, das es hier so nicht gab. Heute finde ich unseren Dezember ruhiger, bewusster und ehrlicher. Ein Abend voller Lichter in Göteborg, ein riesiger Schokoladenkarton auf dem Rücksitz, Kipferl auf dem Blech und der Holzofen, der knistert. Wenn du gerade deinen ersten schwedischen Winter vor dir hast: Gib dem Land ein bisschen Zeit. Es feiert anders. Aber es feiert.
Herzliche Grüße vom Waldrand in Grästorp,
deine Petra
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Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
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