Mein Schwedenleben

Leben in Schweden: Mein Feierabend auf der Landstraße

Der Schlüsselbund liegt noch auf dem Beifahrersitz. Die Arbeit ist vorbei, aber meine Gedanken fahren noch mit. Auf der Landstraße nach Hause wird es langsam still genug für den Feierabend – ein kleiner, ehrlicher Moment aus meinem Leben in Schweden.

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Blogbild „Leben in Schweden – Feierabend auf der Landstraße“: Eine Frau steht an ihrem Auto neben einer regennassen Landstraße zwischen Feldern in der Dämmerung.
Manchmal liegen zwischen Arbeitsschluss und Feierabend nur ein paar Kilometer Landstraße. (Illustration)

Leben in Schweden: Warum mein Feierabend manchmal auf der Landstraße beginnt

Der Schlüsselbund liegt noch auf dem Beifahrersitz, obwohl ich ihn längst nicht mehr brauche.

Ich habe die Tür bei der Arbeit abgeschlossen, die Jacke zugemacht und bin losgefahren. Eigentlich müsste der Arbeitstag damit vorbei sein. Aber auf den ersten Kilometern nach Hause fahre ich innerlich noch einmal durch alles hindurch, was heute gesagt wurde. Durch die Dinge, die ich erledigt habe, und die eine Kleinigkeit, die mir erst eingefallen ist, als ich schon im Auto saß.

So fühlt sich mein Leben in Schweden an manchen Nachmittagen an: Der Dienst ist zu Ende. Der Feierabend braucht noch ein Stück Landstraße.

Leben in Schweden zwischen Arbeit und Zuhause

Die Straße führt zwischen Feldern hindurch. Ich kenne die Kurven inzwischen so gut, dass ich manchmal erst an der vertrauten Baumreihe merke, wie weit ich schon gefahren bin. Heute ist der Asphalt dunkel vom Regen. Auf einer Wiese stehen ein paar Vögel, und das Licht hinter den Wolken sieht aus, als hätte jemand eine Lampe in einem anderen Zimmer angelassen.

Früher hätte ich auf so einer Fahrt wahrscheinlich versucht, etwas Besonderes zu empfinden. Schau doch, hätte ich zu mir gesagt. Genau dafür wolltest du hier leben. Für die Weite. Für die Ruhe. Für diesen Blick aus dem Autofenster.

Heute ist die Weite einfach da. Und ich bin müde.

Ich drehe das Radio leiser. Nicht, weil ein Lied schlecht wäre. Ich habe nur gerade genug Stimmen im Kopf. Der Schlüsselbund auf dem Sitz rutscht in einer Kurve gegen die Tür. Ein kleines Klirren. Es erinnert mich daran, dass ich die Arbeit schon verlassen habe, auch wenn ein Teil von mir noch dort steht.

Die Strecke, auf der niemand etwas von mir möchte

In einer kleinen Kommune ist der Weg nach Hause nicht nur eine Strecke von A nach B. Für mich sind diese Minuten manchmal der einzige Übergang zwischen zwei Teilen des Tages. Ich muss jetzt nichts erklären, nichts beantworten und keine Entscheidung treffen. Ich muss nur auf die Straße achten und irgendwann abbiegen.

Das klingt friedlicher, als es sich immer anfühlt. Wenn der Tag schwer war, nehme ich ihn erst einmal mit. Ein Satz bleibt hängen. Ein Blick, den ich vielleicht falsch verstanden habe. Oder bloß das Gefühl, den ganzen Tag in Bewegung gewesen zu sein und trotzdem nicht alles geschafft zu haben.

Es ist verlockend, so etwas sofort mit Schweden zu verbinden. Mit dem Leben auf dem Land, den Wegen, der Sprache, der Frage, ob ich nach all den Jahren wirklich dazugehöre. Manchmal hat es damit zu tun. Manchmal ist es schlicht ein Arbeitstag, der länger in mir bleibt als auf dem Dienstplan.

An einer Stelle wird die Straße etwas schmaler. Ich nehme den Fuß vom Gas. Hinter den Bäumen taucht das erste Haus auf. Kein Haus aus einer Auswanderungsbroschüre, nur eines, in dem jemand vermutlich gerade überlegt, was es heute Abend zu essen gibt. Der Gedanke gefällt mir. Vielleicht bin ich nicht die Einzige, die noch einen Moment braucht, bevor sie durch eine Haustür geht.

Wenn der Feierabend nicht auf der Uhr beginnt

Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich dachte, ein neues Land würde sich jeden Tag neu anfühlen. Als müsste das Leben hier immer ein wenig heller sein, damit der große Entschluss von damals richtig gewesen war.

Aber ich fahre nicht mehr jeden Nachmittag durch eine Entscheidung. Ich fahre nach Hause.

Das ist ein kleiner Unterschied, der für mich viel verändert hat. Ich darf nach der Arbeit erschöpft sein, ohne daraus gleich eine Bilanz meines Lebens in Schweden zu machen. Ich darf mich auf mein Zuhause freuen und trotzdem für ein paar Minuten im Auto die Ruhe brauchen, die ich dort vielleicht nicht sofort finde.

Heute halte ich nicht an. Ich lasse die Felder vorbeiziehen und denke nicht mehr ganz so angestrengt über den Tag nach. Der Schlüsselbund liegt noch auf dem Beifahrersitz. Als ich in unsere Einfahrt biege, nehme ich ihn in die Hand.

Ich bleibe einen Augenblick sitzen. Nicht lange. Nur bis ich wieder weiß, wo ich gerade bin.

Dann öffne ich die Tür, und die kühle Luft kommt herein. Mein Feierabend hat irgendwo auf der Landstraße angefangen. Jetzt darf er mit mir ins Haus.

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