Mein Schwedenleben

Leben in Schweden: Wie sich ein gewöhnlicher Dienstag anfühlt

Ein erzählerischer Blick auf das Leben in Schweden abseits der Postkartenmotive: persönliche Momente, ländliche Wege und die Erkenntnis, dass ein Alltag nicht jeden Tag besonders sein muss, um sich richtig anzufühlen.

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Blogbild „Leben in Schweden – Ein ganz gewöhnlicher Dienstag“: Eine Frau trägt Einkäufe über den regennassen Hof zu einem beleuchteten roten Holzhaus.
Ein Einkauf, ein grauer Himmel und endlich zu Hause: Auch so sieht ein Dienstag in meinem Leben in Schweden aus. (Illustration)

Leben in Schweden: Ein Dienstag, an dem nichts Besonderes passierte

Es ist ein Dienstag, und auf meinem Zettel steht Waschmittel.

Außerdem Brot, etwas fürs Abendessen und diese eine Kleinigkeit, die ich mir nicht aufgeschrieben habe, weil ich ganz sicher war, dass ich sie behalten würde. Ich halte den Zettel in der Hand, während ich vor der Haustür stehe und überlege, ob ich noch einmal hineingehen muss. Der Himmel über Grästorp kann sich nicht entscheiden, ob er Regen schicken will. Ich kann das heute auch nicht.

So beginnt manchmal mein Leben in Schweden.

Nicht mit einem See im Abendlicht. Nicht mit einem faluroten Haus, vor dem ich dankbar tief einatme. Sondern mit einem Einkaufszettel und der Frage, ob ich die Wäsche noch vor dem Losfahren aufgehängt habe.

Das Leben in Schweden findet zwischen den schönen Bildern statt

Ich lebe in einer kleinen Kommune in Västra Götaland, nicht weit vom Vänern. Wer mich besucht, sieht zuerst die Ruhe. Die Straßen, die Platz lassen. Das Licht, das an manchen Tagen alles ein bisschen weicher macht. Ich sehe das auch. Ich mag es sogar sehr.

Aber an einem Dienstag muss ich trotzdem zum Einkaufen.

Ich schiebe die Taschen im Kofferraum zur Seite und finde darunter ein Paar Handschuhe, das dort seit Monaten liegt. Im Laden laufe ich erst am Waschmittel vorbei, weil ich schon an den Nachmittag denke. Als ich es schließlich in der Hand habe, fällt mir die vergessene Kleinigkeit wieder ein: Batterien. Natürlich. Genau in dem Moment, in dem ich auf der anderen Seite des Ladens stehe.

Ich muss über mich lachen. Niemand hat versprochen, dass man in Schweden aufhört, Batterien zu vergessen.

Vielleicht klingt das banal. Für mich steckt aber genau darin der Unterschied zwischen einem Land, von dem man träumt, und einem Land, in dem man lebt. Im Traum darf alles eine besondere Bedeutung haben. Die Birken, der See, die Stille. Im Alltag ist die Stille manchmal schön. Manchmal hört man in ihr nur, wie müde man ist.

Nicht jeder schwierige Tag ist eine Geschichte über Schweden

Nach der Arbeit bin ich an manchen Tagen einfach platt. Dann mag ich nicht darüber nachdenken, ob der Umgang hier entspannter ist als in Deutschland oder ob ich mich inzwischen schwedisch fühle. Ich möchte nach Hause, die Einkäufe abstellen und für eine Weile niemandem etwas erklären müssen.

Früher hätte ich vielleicht aus so einem Nachmittag gleich eine große Frage gemacht. Liegt es an Schweden? An den Wegen? Daran, dass vieles auf dem Land mehr Planung braucht? Bin ich hier wirklich richtig?

Heute lasse ich einen müden Dienstag eher einen müden Dienstag sein.

Das ist leichter gesagt, wenn man schon länger an einem Ort lebt. Wenn man neu ist, hängt an jeder Kleinigkeit noch der ganze Entschluss. Ein verpasster Termin wird zur Frage, ob man die Sprache jemals sicher genug sprechen wird. Ein einsamer Abend fühlt sich an wie ein Urteil über die Auswanderung. Ich kenne dieses Bedürfnis, alles einzuordnen. Schließlich möchte man wissen, ob der Schritt richtig war.

Aber auch in einem geliebten Leben gibt es Tage, die man nicht noch einmal haben möchte.

Das sage ich nicht, um Schweden kleinzureden. Ich sage es, weil ich das Land lieber so mag, wie es ist: mit den schönen Tagen und mit denen, an denen das Brot ausgeht.

Ein kleines Leben ist kein kleiner Traum

Auf dem Rückweg nach Hause steht der Himmel noch immer unentschlossen über den Feldern. Ich denke an den Vänern, zu dem wir fahren können, wenn Zeit ist. Heute fahren wir nicht. Heute liegen die Einkäufe neben mir, und ich frage mich, ob die Batterien die richtigen sind.

Es gab eine Zeit, da hätte mich das enttäuscht. Ich war schließlich nach Schweden gegangen. Sollte sich das nicht größer anfühlen? Freier, klarer, irgendwie mehr nach Leben?

Inzwischen glaube ich, dass ich damals zwei verschiedene Dinge verwechselt habe. Der Wunsch, hier zu leben, war groß. Das Leben selbst musste es nicht jeden einzelnen Tag sein.

Manchmal zeigt es sich darin, dass ich die Strecke nach Hause kenne, ohne über jeden Abzweig nachzudenken. Darin, dass ein gewöhnlicher Dienstag hier wirklich gewöhnlich sein darf. Ich muss ihn nicht mit einem Sonnenuntergang retten und später erzählen, wie wunderschön alles war.

Ich wohne gern hier. Nicht, weil ich jeden Nachmittag glücklich in die Landschaft schaue. Ich wohne gern hier, obwohl ich manchmal genervt bin, obwohl Wege Zeit kosten und obwohl meine Einkaufsliste auch nach vielen Jahren noch unvollständig ist.

Als ich zu Hause die Taschen auslade, finde ich die Handschuhe wieder. Eine Minute später liegen sie ordentlich auf dem Regal. Dort werde ich sie im Winter vermutlich suchen und nicht finden.

Ich stelle das Waschmittel ab. Draußen fängt es endlich an zu regnen.

Das war mein Dienstag in Schweden. Kein Ausflug, keine Erkenntnis fürs Leben, die sich auf einen Kühlschrankmagneten drucken ließe. Nur ein Tag, der sich nach meinem eigenen Leben angefühlt hat.

Und vielleicht wollte ich genau das irgendwann einmal: nicht immer Schweden erleben müssen. Einfach hier leben.

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