Mein Schwedenleben
Leben in Schweden: Warum „nur mal eben“ länger dauert
„Das erledige ich schnell“, dachte ich, als die Nachricht über mein Paket kam. Dann sah ich das Auto vor dem Haus stehen. Bei uns kann sogar eine kleine Abholung ein ganzes Stück Nachmittag brauchen.
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Leben in Schweden: Warum „nur mal eben“ hier länger dauert
Auf meinem Handy steht, dass ein Paket abgeholt werden kann. Ein kleines. Ich schaue auf die Nachricht und denke: Das erledige ich schnell.
Dann sehe ich durch das Küchenfenster unser Auto stehen.
Ich wohne auf dem Land bei Grästorp. Bis in den Ort sind es für uns ungefähr zehn Kilometer. Hin und zurück also etwa zwanzig, bevor ich überhaupt über das Paket gesprochen habe. Das weiß ich natürlich. Ich fahre diese Strecke oft genug. Und trotzdem sagt ein Teil meines Kopfes noch immer: Ich bin gleich wieder da.
Das Leben in Schweden ist für mich manchmal genau dieser kleine Widerspruch zwischen einem Satz und einem Weg.
Ein Paket ist hier keine Sache von fünf Minuten
Ich lege das Handy auf den Tisch, suche den Autoschlüssel und ziehe eine Jacke an. Auf dem Weg zur Tür fällt mir ein, dass ich die leere Tasche im Auto noch herausnehmen wollte. Sie liegt seit Tagen dort. Ich lasse sie liegen. Heute geht es nur um das Paket.
Unser Privatweg zieht sich bis zur Straße. Ich fahre an dem Haus unseres Nachbarn vorbei, dann kommt die Abzweigung, und erst dahinter beginnt die Strecke in den Ort. Es gibt Tage, an denen mir diese paar Meter bis zur Straße schon wie ein kleiner Übergang vorkommen: vom Zuhause, wo ich alles stehen lassen kann, zu den Dingen, für die ich wieder unterwegs sein muss.
Im Auto ist es noch warm von der Sonne. Ich lasse das Fenster einen Spalt offen. An der ersten Kreuzung merke ich, dass ich im Kopf schon zurück bin. Paket holen, heimfahren, abstellen, weitermachen. Eine Aufgabe auf meiner Liste, die ich gern durchstreichen möchte.
Unterwegs ist nichts los, was sich für eine Geschichte aufdrängen würde. Kein Elch am Straßenrand. Kein Licht, bei dem ich anhalten und ein Foto machen muss. Ich fahre an Feldern vorbei, an Einfahrten, an Schildern, die ich kaum noch lese, weil ich den Weg kenne.
Gerade das überrascht mich manchmal. Früher hätte ich dieselbe Strecke wahrscheinlich als Teil meines Schwedenlebens beschrieben. Heute ist sie der Weg, den ich fahre, wenn etwas erledigt werden muss.
„Ich bin gleich wieder da“
Im Ort hole ich das Paket ab. Es passt bequem unter meinen Arm. Dafür bin ich also losgefahren. Ich stelle es auf den Beifahrersitz, und für einen Moment finde ich das fast komisch: So viel Weg für etwas, das im Auto kaum Platz braucht.
Auf dem Rückweg beginne ich zu rechnen. Nicht mit Geld oder Benzin, sondern mit Zeit. Ich hätte die Fahrt vielleicht mit etwas anderem verbinden können. Das mache ich oft. Wenn ich schon einmal in den Ort fahre, denke ich an alles, was dort gleich mit erledigt werden könnte. Heute hatte ich darauf keine Lust. Ich wollte nur dieses eine Paket holen.
Manchmal mag ich es, wie viel Raum wir um unser Haus haben. Manchmal möchte ich, dass eine Kleinigkeit wirklich eine Kleinigkeit bleibt. Beides kann am selben Nachmittag wahr sein.
Wer von einem Leben auf dem Land träumt, sieht vielleicht zuerst die Ruhe. Ich sehe sie auch. Ich möchte sie nicht eintauschen. Aber zur Ruhe gehört bei uns ein Auto vor der Tür und die Frage, ob ich für eine Besorgung noch einmal losfahre oder sie auf morgen verschiebe.
Ich kenne Menschen, die solche Wege gern als Zeit für sich betrachten. An manchen Tagen gelingt mir das. Heute möchte ich einfach nur nach Hause.
Wieder am Ende des Weges
Als ich von der Straße in unseren Privatweg einbiege, lässt meine Eile nach. Nicht schlagartig. Eher so, wie ein Gespräch leiser wird, wenn man die Tür hinter sich schließt. Ich fahre am Nachbarhaus vorbei und weiter bis zu uns.
Das Paket steht schließlich auf dem Küchentisch. Ich habe es noch nicht geöffnet. Daneben liegen die Autoschlüssel und die Jacke, die ich eigentlich gleich wieder aufhängen wollte. Draußen steht das Auto, innen ist alles beim Alten. Nur ist ein Stück vom Nachmittag vergangen.
Ich ärgere mich kurz über mein eigenes „nur mal eben“. Danach muss ich ein wenig über mich lachen. Die zehn Kilometer werden nicht kürzer, bloß weil ich sie kleinrede.
Leben in Schweden heißt für mich auch, diese Wege zu kennen und trotzdem manchmal keine Lust auf sie zu haben. Ich kann das Land und unser Zuhause mögen, ohne jede Fahrt schön finden zu müssen.
Ich schiebe das Paket ein Stück zur Seite und setze Wasser auf. Öffnen kann ich es später. Für den Moment bin ich einfach wieder da.
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Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
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