Mein Schwedenleben
Leben in Schweden: Ich mag die dunklen Abende
Die Kerze brennt, der Ofen ist warm und draußen sehe ich nur noch mein Spiegelbild im Fenster. Genau solche Abende mag ich. Bis ich irgendwann denke: So, jetzt wäre ein bisschen mehr Sonne auch wieder schön.
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Leben in Schweden: Ich mag die dunklen Abende – bis ich wieder Licht brauche
Ich zünde die Kerze auf dem Tisch an. Die Flamme wird kurz größer, dann steht sie ruhig. Im Ofen brennt das Feuer. Draußen sehe ich vor allem mein eigenes Spiegelbild im Fenster.
Und ich denke: Das ist jetzt wirklich schön.
Ich weiß, dass viele Menschen beim Leben in Schweden sofort an die dunkle Jahreszeit denken. Oft klingt es dann, als müsse man sie irgendwie überstehen.
Bei mir ist das anders. Mir fehlt manchmal das Licht. Aber im Grunde genieße ich die Dunkelheit. Ich mag es, wenn man drinnen Kerzen anmachen kann, wenn der Ofen an ist und es gemütlich wird.
Nur eben nicht unbegrenzt.
Wenn ich gern drinnen bin
Es gibt Abende, an denen ich überhaupt nicht mehr hinausmöchte. Ich habe meinen Tag gehabt. Ich war unterwegs, habe gearbeitet, habe Dinge erledigt. Jetzt bin ich zu Hause.
Dann freue ich mich darüber, dass ich die Vorhänge zuziehen und mich hinsetzen kann. Die Tasse steht neben mir. Das Holz im Ofen knackt. Ich rücke ein bisschen näher an die Wärme.
Im Sommer schaue ich manchmal noch nach draußen und denke: Eigentlich könnte ich noch etwas machen. Es ist ja noch hell. Noch kurz in den Garten. Noch etwas wegräumen. Noch eine Sache erledigen.
An einem dunklen Abend fällt mir das leichter: Für heute ist es genug.
Natürlich ist nicht plötzlich alles fertig, nur weil draußen kein Licht mehr ist. Schön wäre es. Aber ich merke, dass ich anders auf meinen Abend schaue. Ich habe weniger das Gefühl, noch irgendwo sein zu müssen.
Ich darf einfach hier sein.
Leben in Schweden mit Kerzen und einem warmen Ofen
Diese Seite des Lebens in Schweden gefällt mir. Sehr sogar.
Ich mag den kleinen Kreis aus Licht auf dem Tisch. Die Wärme, die langsam im Raum ankommt. Das Fenster, hinter dem ich kaum noch etwas erkenne. Draußen ist unser Grundstück bei Grästorp, aber an solchen Abenden wird meine Welt für eine Weile kleiner.
Und das fühlt sich gut an.
Ich muss dann auch nicht bei jeder Kerze daran denken, ob das nun typisch schwedisch ist. Natürlich gibt es gemütliche Abende anderswo genauso. Es ist einfach die Art, wie ich sie hier erlebe.
Das ist mein Zuhause. Hier steht mein Ofen. Hier sitze ich mit meiner Tasse. Hier freue ich mich, dass ich die Tür hinter mir zugemacht habe.
Manchmal schaue ich kurz zum Fenster und sehe die Kerze darin ein zweites Mal. Dann bleibe ich noch ein bisschen sitzen. Obwohl ich eigentlich längst aufstehen wollte.
Und irgendwann habe ich die Nase voll
So schön ich das finde: Irgendwann reicht es.
Nicht unbedingt an einem bestimmten Datum. Ich kann auch nicht sagen, dass es jedes Jahr genau gleich wäre. Aber irgendwann ist da dieses Gefühl: So. Jetzt hätte ich gern wieder mehr Licht.
Dann merke ich, dass mir die Kerzen allein nicht mehr genügen. Der Ofen ist noch immer warm. Der Raum ist noch immer gemütlich. Nur möchte ich zusätzlich wieder mehr von draußen haben.
Ich möchte nicht ständig überlegen, ob ich etwas noch schaffe, bevor es dunkel wird. Ich möchte nach draußen schauen und etwas anderes sehen als meine eigene Spiegelung. Ich möchte Licht im Gesicht spüren, ohne dafür erst den passenden Moment im Tag erwischen zu müssen.
Dann stehe ich am Fenster und denke: Ein bisschen mehr Sonne wäre jetzt wirklich nett.
Das klingt vielleicht undankbar, wenn ich wenige Wochen vorher dieselben dunklen Abende noch so genossen habe.
Für mich ist es eher so, dass eine schöne Zeit irgendwann lang genug gewesen sein kann.
Ich muss mich nicht für ein Gefühl entscheiden
Früher hätte ich vielleicht versucht, eine eindeutige Antwort zu geben, wenn jemand gefragt hätte: Und, wie kommst du mit der Dunkelheit in Schweden zurecht?
Gut. Oder schlecht.
Heute würde ich vermutlich erst einmal sagen: Kommt darauf an, wann du mich fragst.
Wenn ich gerade eine Kerze anzünde und der Ofen warm wird, bekommst du eine andere Antwort als an einem Tag, an dem ich schon wieder das Licht im Zimmer einschalten muss und denke: Ach Mensch. Jetzt hätte ich gern einen hellen Nachmittag.
Beide Antworten stimmen.
Ich mag die dunkle Jahreszeit. Ich freue mich auf diese gemütlichen Abende. Und später freue ich mich darauf, dass sie wieder kürzer werden.
Das gehört für mich zum Leben in Schweden dazu. Meine Freude an einem Ort bleibt nicht jeden Tag gleich. Sie hängt auch davon ab, ob ich müde bin, wie mein Tag war und was mir gerade fehlt.
Deshalb wird aus meiner Liebe zur Dunkelheit auch kein Versprechen, dass ich sie bis zum letzten Abend begeistert finden muss.
Für heute darf es dunkel sein
An diesem Abend sitze ich noch am Tisch. Die Kerze ist ein Stück heruntergebrannt. Im Ofen bewegen sich die Flammen hinter der Scheibe.
Ich nehme meine Tasse und lehne mich zurück.
Heute fehlt mir nichts daran. Heute bin ich gern drinnen, und draußen darf es dunkel sein.
Irgendwann werde ich wieder am Fenster stehen und mich freuen, dass ich den Garten noch sehen kann. Dass der Abend später kommt. Dass ich nach dem Essen vielleicht doch noch hinausgehe.
Dann werde ich vermutlich sagen: Endlich.
Aber heute zünde ich lieber noch eine Kerze an.
Mehr Geschichten aus meinem schwedischen Alltag
In meinem Buch „Das Leben in Schweden ist anders als du glaubst – Was Dir über Arbeit, Alltag und Miteinander kaum jemand erzählt“ schreibe ich über solche persönlichen Erfahrungen: über die schönen Seiten und die Momente, in denen man vom Schönen auch einmal genug hat.
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Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung
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