Mein Schwedenleben

Welche Erfahrungen machen deutsche Auswanderer in Schweden?

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Vom verregneten Radurlaub zum eigenen Leben im Norden: Welche Erfahrungen Andrea und ich gemacht haben und was ich bei anderen Auswanderern immer wieder erlebt habe.

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KI-generierte Szene: Zwei Fahrräder mit Packtaschen lehnen im Sommerregen an einem roten Holzhaus, dahinter Birken und eine schmale Landstraße in Schweden

Deutsche Auswanderer in Schweden erleben meist zuerst Begeisterung, dann einen holprigen Alltag mit Sprache, Behörden und neuer Arbeitskultur und schließlich, wenn sie bleiben, ein ruhigeres, oft gelasseneres Leben. Viele unterschätzen, wie lange Ankommen dauert. Und fast alle merken irgendwann: Schweden ist nicht besser oder schlechter als Deutschland. Es ist anders.

Andrea und ich haben Schweden 1991 auf einer Radreise kennengelernt. Es hat fast die ganze Zeit geregnet. Trotzdem hatte uns der Schwedenvirus erwischt, und er ließ uns nicht mehr los. 1999 kauften wir ein Haus, eigentlich als Ferienhaus. Es hatte kein Bad. Drei Viertel der tragenden Balken waren morsch. Wir renovierten in jedem Urlaub, und den Bauern in der Nachbarschaft waren die zwei Deutschen mit ihrer Arbeitswut sicher etwas unheimlich. Im Sommer 2003 wurde der Kindergarten geschlossen, den Andrea geleitet hatte. Wenn sie sich schon neu orientieren musste, warum dann nicht gleich in Schweden? Sechs Monate bewegte uns diese Frage. Dann machten wir Nägel mit Köpfen.

Ich lebe heute seit über 20 Jahren in Schweden. In den ersten rund zehn Jahren habe ich außerdem viele andere Auswanderer begleitet. Hier ist, was ich erlebt und beobachtet habe.

Warum wandern Deutsche nach Schweden aus?

Die meisten Deutschen wandern nach Schweden aus, weil sie Ruhe, Natur und ein weniger hektisches Leben suchen. Bei uns war es genauso. Uns war das Leben in Deutschland zu aufgeregt. Wir hatten ständig das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. In Schweden beeindruckten uns die Landschaft und die Gelassenheit der Menschen.

Eine Rolle spielte auch die Nähe. Unser Sohn wollte in Deutschland bleiben, und wir wollten den Kontakt zu ihm, zu Freunden und Verwandten nicht verlieren. Schweden ist weit genug weg für einen Neuanfang und nah genug für Besuche. Wie leicht oder schwer mir der Abschied fiel, erzähle ich in Als ich Deutschland ohne Abschiedsschmerz verließ.

Wie erleben Auswanderer die schwedische Arbeitswelt?

Die schwedische Arbeitswelt erleben viele Auswanderer als ruhiger und freundlicher, aber auch als langsamer. Ich war anfangs rund sechs Monate Aushilfe, ohne Arbeitsvertrag und damals ohne Krankengeld. Dann bekam ich einen auf drei Jahre befristeten Vertrag. Ich war so glücklich.

Was uns auffiel:

  • Fika ist heilig. Wir hatten damals vier Pausen am Tag. Wenn die Pause naht, wird alles stehen und liegen gelassen.
  • Ellenbogenmentalität oder Mobbing haben wir hier nie erlebt. Fehlt jemand, geht man davon aus, dass er wirklich krank ist.
  • Als Team sind Schweden unschlagbar. Läuft etwas außerplanmäßig, will oft niemand die Verantwortung allein übernehmen.
  • Der Chef ist nahbarer, als wir es aus Deutschland kannten.

Mein wichtigster Rat: Halt dich mit Kritik zurück, gerade am Anfang. Vieles kam uns langatmig und unnötig kompliziert vor. Heute würden wir die schwedische Arbeitsweise nicht mehr gegen die deutsche tauschen. Hüte dich davor, die ständig besser wissende Deutsche zu sein. Offene Stellen findest du bei der Arbetsförmedlingen.

Wie geduldig muss man mit Behörden sein?

Mit Behörden brauchst du in Schweden Geduld. Auf Andreas Personnummer haben wir damals drei Monate gewartet. Ohne sie konnte ihr Lohn nicht richtig berechnet werden, weil die Lohnabrechnung die Nummer braucht. So ging es uns mit vielen kleinen Dingen, etwa beim Ummelden des Autos. Das kostete Zeit und Nerven.

Die Personnummer beantragst du beim Skatteverket. Ohne sie geht in Schweden vieles nur schwer: Bank, Telefon, Lohn. Warum „nur mal eben" hier oft länger dauert, habe ich in Warum „nur mal eben“ länger dauert aufgeschrieben.

Was erleben Auswanderer im Gesundheitswesen?

Im Gesundheitswesen erleben viele Auswanderer längere Wartezeiten, aber sehr zugewandte Ärzte und Pflegekräfte. Ohne akute Beschwerden bekommst du erst einmal einen Termin, und der kann ein, zwei Wochen entfernt sein. Wenn du dann dort bist, fühlst du dich gut aufgehoben und ernst genommen. Die menschliche Wärme haben wir in Deutschland oft vermisst. Informationen findest du auf 1177.se.

Warum fühlen sich manche Auswanderer nach Jahren noch fremd?

Manche Auswanderer fühlen sich noch nach Jahren fremd, weil freundlicher Kontakt in Schweden nicht automatisch Nähe bedeutet und weil Enttäuschung den Blick verändert. Eine Auswanderin erzählte mir, sie habe nach fünf Jahren aufgehört, Menschen von sich aus anzusprechen. Zwei Verabredungen waren abgesagt worden. Danach hielt sie Gespräche kurz, lehnte eine Einladung ab, antwortete spät. Nach zwei Monaten sagte sie: „Hier interessiert sich einfach niemand für mich.“

Ihre Einsamkeit war echt. Gleichzeitig hatte ihr Rückzug neue Erfahrungen fast unmöglich gemacht. Andere wurden vorsichtiger, weil sie ihren Abstand bemerkten. Keiner musste unfreundlich sein, damit es weh tat. Was hilft, ist kein erzwungener Optimismus, sondern ein kleiner Schritt: schneller antworten, nach einem Treffen zehn Minuten länger bleiben, einen Termin mit Anfangs- und Endzeit vorschlagen. Warum man sich trotz Fika ausgeschlossen fühlen kann, beschreibe ich in diesem Artikel.

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Was ich bei den Menschen, die ich begleitet habe, immer wieder gesehen habe: Sie hatten eine sehr genaue Vorstellung vom Haus und eine sehr ungenaue vom Alltag. Alleinlage im Wald oder am See ist für den Urlaub traumhaft. Vierzig Kilometer zum Großeinkauf sind im Urlaub zumutbar. Täglich auch? Wer gern ausgeht und viele Menschen um sich braucht, ist in der Stadt oft glücklicher als im roten Haus am Waldrand. Und viele unterschätzen den Winter, nicht wegen der Kälte, sondern weil das soziale Leben dann noch stiller wird. Im Sommer triffst du draußen Menschen. Im Winter findet das Leben im kleinen Kreis statt.

Häufige Fragen

Bereuen viele Deutsche die Auswanderung nach Schweden?

Manche gehen zurück, viele bleiben, und nach meiner Erfahrung entscheidet weniger das Land als die Frage, ob der gewählte Ort, die Arbeit und die eigenen Erwartungen zum Alltag passen.

Wie lange dauert es, bis man in Schweden angekommen ist?

Das ist sehr verschieden, rechne aber eher in Jahren als in Monaten, denn Sprache, Arbeit und Freundschaften wachsen langsam, und bei uns dauerte allein der erste private Kontakt fast acht Monate.

Werden Deutsche in Schweden gut aufgenommen?

Wir haben viel Unterstützung erlebt, gerade wenn wir Interesse zeigten und offen waren, wer dagegen ständig erklärt, wie es in Deutschland besser läuft, macht es sich unnötig schwer.

Was würde ich heute anders machen?

Ich würde vorher viel mehr Kontakt zu Menschen suchen, die den Schritt schon gemacht haben, früher Schwedisch hören und sprechen und mich gleich einem Verein anschließen, denn Kontakte sind der Schlüssel für einen guten Start.

Wenn ich auf unsere ersten Jahre schaue, sehe ich zwei Frauen mit viel zu viel Arbeitswut und viel zu wenig Ahnung. Und ich sehe ein Land, das uns trotzdem aufgenommen hat. Das Leben in Schweden ist einfach anders, nicht schlechter oder besser. Unsere ganze Geschichte steht in meinem Buch Schwedentraum – Erfahrungsbericht einer Auswanderung. Mehr Informationen zum Auswandern findest du auf meiner Seite Auswandern nach Schweden.

Herzliche Grüße aus Grästorp,
deine Petra

Wenn du weitere ehrliche Geschichten aus meinem Leben in Schweden lesen möchtest, freue ich mich, wenn du dich für meinen Schwedentraum-Newsletter anmeldest.

Bild KI-generiert | Idee, Text und redaktionelle Gestaltung: Petra Molin – mit KI-Unterstützung

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